Tante Chloë antwortete nicht, sondern plettete nur mit erhöhtem Eifer das grobe Hemd weiter, das bereits so glatt war wie Hände es machen konnten; und indem sie endlich ihr Eisen mit einem verzweifelnden Stoße bei Seite schob, setzte sie sich am Tische nieder, und erhob ihre Stimme, und weinte.
„Glaube schon, wir müssen gefaßt sein; aber, o Herr! wie kann ich? Wenn ich nur wüßte, wo Du hinkämst, und wie sie Dich behandeln werden! Missis sagt, sie will versuchen, und Dich einlösen in ein oder zwei Jahren; aber, o Herr, da kommt ja keiner zurück, der hingegangen ist! Jeder wird ja umgebracht! Hab's ja gehört, wie sie abgetrieben werden da in den Plantagen!“
„'s wird derselbe Gott da sein, Chloë, wie hier.“
„Mag sein,“ sagte Tante Chloë, „aber der Herr läßt schreckliche Dinge geschehen, manchmal. Ich kann da keinen Trost drin finden, – nein!“
„Ich bin in Gottes Hand,“ sagte Tom, „nichts kann gehn weiter als er es will; und da ist eins, wofür ich ihm kann dankbar sein. Ich bin's, der verkauft ist, und hinunter gehen muß, und nicht Du oder die Kinder. Ihr seid hier sicher; – was kommt, kommt nur über mich, und der Herr wird mir helfen, – ich weiß, er wird.“
Braves, männliches Herz! – das seinen eignen Kummer niederdrückt, um andre geliebte Wesen zu trösten! Tom sprach mit schwerer stockender Stimme, aber sprach brav und männlich.
„Laß uns an unsre Wohlthaten denken!“ fügte er mit bebender Stimme hinzu, als wenn er dessen gewiß wäre, daß er das Bedürfniß fühle, an diese sehr ernstlich zu denken.
„Wohlthaten!“ sagte Tante Chloë, „sehe keine Wohlthat drin! 's ist nicht recht! 's ist nicht recht, daß es so sein muß! Master hätte 's nie sollen so kommen lassen, daß Du für seine Schulden genommen werden konntest. Hast ihm Alles verdient, was er für Dich kriegt, doppelt. Er war Dir Deine Freiheit schuldig, und hätte sie Dir geben sollen, vor Jahren schon. Mag sein, daß er sich jetzt nicht helfen kann, aber ich fühle 's, 's ist doch unrecht; – nichts bringt das heraus aus mir. Solches treues Geschöpf, wie Du gewesen bist, – hast immer seine Geschäfte vorgesetzt, überall, vor Deinen eignen, – und immer an ihn mehr gedacht als an Dein eigen Weib und Kinder! Wer Herzliebe und Herzblut verkaufen kann, um herauszukommen aus seiner Noth, – der Herr wird ihm schon dafür lohnen!“
„Chloë! nun, wenn Du mich lieb hast, sprichst Du nicht so, wenn 's vielleicht grade das letzte Mal ist, daß wir so mit einander reden! Und ich sage Dir, Chloë, 's geht mir ganz zuwider, ein Wort gegen Master zu hören. Ist er nicht als ein Säugling in meinen Arm gelegt worden? – 's ist natürlich, daß ich viel auf ihn halte, – und Master kann nicht so viel auf den armen Tom halten. Masters sind gewöhnt, sich alle solche Sachen thun zu lassen, und denken natürlich nicht so viel davon; – 's kann's Niemand erwarten. Setz' ihn andern Mastern an die Seite, – wer hat die Behandlung und 's gute Leben, wie ich's gehabt habe? Und er hätte das nie über mich kommen lassen, wenn er 's hätte vorher sehen können. Ich weiß gewiß!“
„'s ist gut, irgendwo steckt da doch was Unrecht's,“ sagte Tante Chloë, in der ein hartnäckiger Gerechtigkeitssinn vorherrschend war; – „ich kann's nicht ausfinden, wo es steckt, aber irgendwo ist was Unrecht's, – das weiß ich gewiß.“