„Was thut Ihnen leid, lieber Herr?“ fragte Georg ruhig.
„Je nun, daß ich sehe, daß Du dich gleichsam den Gesetzen Deines Vaterlandes entgegen stellst.“
„Meines Vaterlandes!“ sagte Georg mit starker und bitterer Betonung; „welches andere Vaterland habe ich, als das Grab? – und ich wünschte bei Gott, daß ich schon darin läge.“
„Wie, Georg, nein – nein – das geht nicht; solches Gespräch ist sündhaft, unchristlich. Georg, Du hast einen schlimmen Herrn – das ist wahr, – sein Betragen ist sehr zu tadeln, – ich will ihn nicht vertheidigen; aber Du weißt, wie der Engel Hagar befahl, zu ihrer Herrin zurückzukehren und sich ihrer Hand zu unterwerfen, – und der Apostel sandte Onesimus zurück zu seinem Herrn.“
„Führen Sie mir nicht die Bibel an auf diese Weise, Mr. Wilson,“ sagte Georg mit flammendem Auge, – „ich bitte Sie, thun Sie es nicht! denn mein Weib ist eine Christin, und ich gedenke ein Christ zu sein, wenn ich je dahin gelangen sollte, wohin ich kann; aber einem Menschen in meinen Verhältnissen gegenüber die Bibel anführen ist genug, um ihn Alles aufgeben zu lassen. Ich berufe mich auf Gott den Allmächtigen, – ich bin bereit, mit meiner Sache vor Ihn zu treten und Ihn zu fragen, ob ich Unrecht thue, indem ich meine Freiheit suche.“
„Diese Gefühle sind ganz natürlich, Georg,“ sagte der gutmüthige Mann, sein Taschentuch gebrauchend. „Ja, sie sind natürlich, aber es ist meine Pflicht, Dich nicht darin zu bestärken. Ja, mein Junge, Du thust mir leid, es ist ein schlimmes Ding – sehr schlimm; aber der Apostel sagt: ‚Ein Jeglicher bleibe in dem Berufe, darinnen er berufen ist.‘ Wir müssen uns alle den Winken der Vorsehung unterwerfen, – siehst Du das nicht ein?“
Georg stand da mit zurückgebogenem Kopfe, mit fest unter einander geschlagenen Armen auf seiner breiten Brust, und mit einem bittern Lächeln auf der Lippe.
„Es sollte mich wundern, Mr. Wilson, ob, wenn die Indianer kämen und Sie von Weib und Kindern wegschleppten, und Sie lebenslang bei sich behalten wollten, um ihnen das Korn zu mahlen, – ob Sie es dann für Ihre Pflicht halten würden, in der Lage zu bleiben, in die Sie versetzt worden sind. Ich glaube eher, Sie würden das erste, beste frei umher laufende Pferd, das Sie finden könnten, für einen Wink der Vorsehung halten, – was meinen Sie?“
Der alte Herr starrte mit beiden Augen, als er diese Anschauung der Sachlage hörte; und obgleich er kein großer Denker war, so hatte er doch so viel gesunden Sinn, worin er von manchen Logikern nicht übertroffen wird, – da nichts zu sagen, wo nichts gesagt werden kann. Während er deßhalb beschäftigt war, seinen Regenschirm zu streichen und jede Falte darin auszuglätten, fuhr er mit seinen Ermahnungen in allgemeiner Beziehung fort.
„Du siehst, Georg, Du weißt, daß ich immer Dein Freund gewesen bin, und was ich gesagt habe, habe ich immer nur zu Deinem Besten gesagt. Hier nun, scheint es mir, setzest Du dich einer schrecklichen Gefahr aus. Du kannst nicht darauf hoffen, es auszuführen, und wenn sie Dich fangen, so wird Deine Lage noch schlimmer werden, als sie bisher gewesen ist. Sie werden Dich mißhandeln und halb umbringen, und Dich den Fluß hinunter verkaufen.“