»Nun, was ist's mit ihr?«
»Sie bereut ihren Fehler sehr.«
»Wirklich? Sie wird ihn wahrscheinlich noch mehr bereuen, ehe ich mit ihr ganz fertig bin! Ich habe die Unverschämtheit dieses Kindes lange genug ertragen, und will sie jetzt demüthig machen, — sie soll mir im Staube liegen!«
»Aber könnten Sie sie nicht auf irgend eine andere Weise bestrafen, — die weniger die Scham verletzte?«
»Das ist grade meine Absicht; sie soll sich schämen. Sie hat sich ihr ganzes Leben so viel auf ihre Zartheit zu gut gethan, auf ihr hübsches Gesicht, und auf ihre feinen Manieren, bis sie endlich ganz vergessen hat, wer und was sie eigentlich ist. Ich will ihr jetzt eine Lehre geben, die sie zur Besinnung bringen wird, wie ich hoffe!«
»Aber, Cousine, bedenken Sie doch, daß wenn Sie in einem jungen Mädchen das Schamgefühl und Zartgefühl vernichten, Sie sie augenblicklich gänzlich verderben.«
»Zartgefühl!« sagte Marie mit verächtlichem Lachen, — »ein schönes Wort für so Eine, wie sie ist! Ich will ihr, mit allen ihren feinen Manieren, lehren, daß sie nichts Besseres ist, als das zerlumpteste schwarze Mensch, das sich auf den Straßen umhertreibt! Sie soll sich mir gegenüber keine Miene mehr geben!«
»Sie werden Gott Rechenschaft geben müssen über solche Grausamkeit!« sagte Miß Ophelia mit Nachdruck.
»Grausamkeit, — ich möchte wissen, wo hier Grausamkeit ist! Ich schrieb einen Befehl für fünfzehn Hiebe, und bemerkte ausdrücklich, daß sie leicht gegeben werden sollten. Ich dächte, das wäre keine Grausamkeit!«