»Keine Grausamkeit!« sagte Miß Ophelia. »Ich bin gewiß, daß jedes junge Mädchen sich lieber geradezu umbringen ließe!«
»So mag es jemanden von Ihrem Gefühle erscheinen, aber alle diese Geschöpf sind daran gewöhnt; denn es ist der einzige Weg, auf dem sie in Ordnung gehalten werden können. Erlauben Sie ihnen nur ein einziges Mal Mienen von Zartgefühl und dergleichen anzunehmen, und Sie haben sie alle auf dem Halse, grade wie es meine Dienstboten mit mir gemacht haben. Ich habe jetzt angefangen, sie wieder zur Unterwürfigkeit zu bringen; und sie sollen mir alle wissen, daß ich jeden, ohne Unterschied, will auspeitschen lassen, wenn sie sich nicht in Acht nehmen!« sagte Marie, während sie sich mit einem sehr determinirten Blicke unter den Anwesenden umsah.
Jane ließ bei diesen Worten erschreckt ihren Kopf hängen, denn es war ihr, als seien diese Worte besonders an sie gerichtet. Miß Ophelia saß einige Augenblicke da, als wenn sie eine explodirende Mixtur eingenommen hätte, und im Begriffe sei zu bersten; sodann aber die völlige Nutzlosigkeit jedes ferneren Streites mit einer solchen Natur in Betracht ziehend, preßte sie entschlossen ihre Lippen zusammen, erhob sich, und verließ das Zimmer.
Es war für sie eine harte Aufgabe, zu Rosa zurückzugehen, und ihr zu sagen, daß sie nichts habe für sie thun können; und gleich darauf erschien ein männlicher Sklave mit dem Befehle seiner Mistreß, Rosa nach dem Stockhause zu bringen, wohin sie, ihrer Thränen und Bitten ungeachtet, unverzüglich geschleppt wurde.
Wenige Tage nachher stand Tom sinnend an einem der Balkone, als Adolph zu ihm trat, der seit dem Tode seines Herrn im höchsten Grade niedergeschlagen und trostlos gewesen war. Adolph wußte, daß er von jeher für Marien ein Gegenstand des Widerwillens gewesen war; allein so lange sein Herr lebte, hatte er sich wenig darum gekümmert. Jetzt, da er todt war, bewegte er sich in täglichem Zittern und Beben umher, ohne zu wissen, welches Schicksal ihn zunächst treffen werde. Marie hatte vielfache Consultationen mit ihrem Rechtsanwalte gehalten, und man war endlich, nachdem auch St. Clare's Bruder zur Berathung gezogen worden war, dahin übereingekommen, daß die Besitzung und sämmtliche Sklaven verkauft werden sollten, mit alleiniger Ausnahme der ihr persönlich zugehörigen, mit denen sie nach der Pflanzung ihres Vaters zurückzukehren beabsichtigte.
»Weißt Du, Tom, daß wir Alle verkauft werden sollen?« sagte Adolph.
»Wo hast Du das gehört?« entgegnete Tom.
»Ich hatte mich hinter den Gardinen versteckt, als Missis mit dem Anwalte sprach. In wenigen Tagen sollen wir Alle zur Auktion geschickt werden,« sagte Adolph.
»Des Herrn Wille geschehe!« erwiderte Tom mit schwerem Seufzer, seine Hände faltend.