»Wir werden nie einen solchen Herrn wieder bekommen,« fuhr Adolph furchtsam fort; »aber ich will doch lieber verkauft werden, als bei Missis bleiben.«

Tom wandte sich ab, — sein Herz war schwer. Die Hoffnung auf Freiheit, der Gedanke an sein fernes Weib und seine Kinder stieg vor seiner geduldigen Seele auf, wie vor dem Seemanne, der dicht vor dem Hafen noch Schiffbruch leidet, der Kirchthurm und die geliebten Dächer seines heimatlichen Dorfes aufsteigen, die er nur über den Gipfel einer schwarzen Welle hinweg sieht, um ihnen für immer Lebewohl zu sagen. Er zog seine Arme dicht über die Brust zusammen und drückte die andringenden, bitteren Thränen zurück, und versuchte zu beten. Die arme, alte Seele hatte eine so unerklärliche Liebe zur Freiheit, daß es ein harter Kampf für ihn war; und je öfter er sagte: »Dein Wille geschehe!« desto schwerer wurde ihm das Herz.

Er suchte Miß Ophelien auf, die seit Eva's Tode ihn stets mit besonderer Güte und Achtung behandelt hatte.

»Miß Feely,« sagte er, »Master St. Clare versprach mir meine Freiheit. Er sagte mir, daß er den Anfang dazu gemacht habe; und wenn nun vielleicht Miß Feely so gut sein wollte, ein Wort für mich mit Missis zu sprechen, so würde sie vielleicht das thun, was Mr. St. Clare's Wille war.«

»Ich will für Dich sprechen, Tom, und mein Bestes thun,« sagte Miß Ophelia; »allein, wenn es von Mrs. St. Clare abhängt, so kann ich Dir nicht viel Hoffnung machen, — dennoch will ich es versuchen.«

Dieser Umstand ereignete sich wenige Tage nach dem Vorfalle mit Rosa, als Miß Ophelia grade mit ihren Vorbereitungen zur Rückkehr nach Norden beschäftigt war.

Ernstlich hierüber nachdenkend kam sie zu der Ansicht, daß sie in ihrer früheren Zusammenkunft mit Marien sich vielleicht einer zu heftigen Sprache bedient habe, und nahm sich deßhalb vor, jetzt in einem so gemäßigten und versöhnenden Tone als möglich zu reden. Die gute Seele erhob sich deßhalb, nahm ihr Strickzeug, und beschloß in Mariens Zimmer zu gehen, sich dort so angenehm wie möglich zu machen, und für Toms Sache mit aller diplomatischen Kunst, die ihr zu Gebot stand, zu arbeiten.

Sie fand Marien der Länge nach auf einem Sopha ausgestreckt, mit einem Ellbogen auf Kissen gestützt, während Jane verschiedene Muster feinen, schwarzen Stoffes vor ihr ausbreitete.

»Dieses hier würde mir gefallen,« sagte Marie, ein Muster auswählend; — »nur weiß ich nicht, ob es sich für Trauer paßt.«

»O Missis,« sagte Jane mit geläufiger Zunge, »die Frau Generalin Derbennon trug grade dasselbe Zeug, als der General im vorigen Sommer gestorben war; es macht sich wunderschön!«