»Glaube, ja,« sagte das Kind, Miß Ophelia listig von der Seite betrachtend.
Ophelia stand von diesem ermuthigenden Zwiegespräche auf, während dessen St. Clare hinter ihrem Stuhle, sich auf die Lehne stützend, gestanden hatte.
»Du findest hier jungfräulichen Boden, Cousine,« sagte er. »Lege Deine eignen Ideen hinein, — wirst nicht viel auszurotten haben.«
Miß Opheliens Ansichten über Erziehung waren wie alle ihre anderen Ideen bestimmt und geordnet, und aus derjenigen Schule, welche vor ungefähr hundert Jahren in Neu England herrschend war, und noch jetzt in einigen abgelegenen, unverderbten Theilen zu finden ist, wohin keine Eisenbahnen führen. Sie ließen sich ziemlich genau in wenige Worte fassen: »Den Kindern Aufmerksamkeit zu lehren, wenn mit ihnen gesprochen wird; ihnen den Katechismus, Nähen und Lesen zu lehren und sie zu züchtigen, wenn sie Unwahrheiten sagen;« und obgleich in der Fluth von Licht, welches sich jetzt über Erziehung verbreitet, diese Principien natürlich weit in den Hintergrund getreten sind, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß unsere Großmütter unter ihrer Herrschaft manche recht brave Männer und Weiber erzogen haben, wie Viele von uns werden bezeugen können. Jedenfalls wußte Miß Ophelia nichts Anderes zu thun, und begann deshalb das Erziehungswerk ihres heidnischen Zöglings mit vollem Eifer.
Das Kind wurde als Miß Ophelia's Mädchen angekündigt und im ganzen Hause so betrachtet; und da Topsy in der Küche mit keinem sehr gnädigen Auge betrachtet wurde, so beschloß Miß Ophelia, ihren Wirkungskreis und Unterricht hauptsächlich auf ihr eigenes Zimmer zu beschränken. Mit einer Selbstverleugnung, welche vielleicht nur wenige von unsern Lesern zu würdigen im Stande sein werden, beschloß sie, statt behaglich ihr Bett selbst zu machen und ihr Zimmer selbst auszufegen und abzustäuben, — was sie bisher stets mit völliger Beiseitesetzung aller Anerbietungen des Kammermädchens im Haushalte selbst besorgt hatte, — sich zu dem Märtyrerthum zu verurtheilen, Topsy diese Verrichtungen zu lehren. Wenn je eine unserer Leserinnen dasselbe that, so wird sie die Größe dieses Opfers zu würdigen wissen.
Miß Ophelia begann mit Topsy damit, daß sie sie am ersten Morgen in ihr Zimmer nahm und einen Lehrcursus in der geheimnißvollen Kunst des Bettmachens anfing. Topsy stand, rein gewaschen und rein geschoren von allen den geflochtenen kleinen Zöpfen, an denen ihr Herz gehangen hatte, in einem saubern Kleide und weißer, gestärkter Schürze, vor Ophelien mit einer so feierlichen Miene, wie sich für ein Leichenbegängniß gepaßt haben würde.
»Nun, Topsy, will ich Dir zeigen, wie mein Bett gemacht werden muß. Ich bin sehr eigen darin; Du mußt lernen, es grade ebenso zu machen.«
»Ja, Madame,« sagte Topsy mit einem tiefen Seufzer und einem schmerzlich ernsthaften Gesichte.
»Nun, Topsy, sieh hier; — dies ist der Saum des Betttuches, — dies ist die rechte Seite und dies die linke: — wirst Du das behalten?« sagte Miß Ophelia weiter.