Es war, wie erwähnt, wenige Tage nach jener Unterhaltung zwischen Marien und Miß Ophelien, daß Tom, Adolph und ein halbes Dutzend anderer zur St. Clareschen Besitzung gehöriger Sklaven der menschenfreundlichen Fürsorge Mr. Skeggs' überwiesen wurden, welcher einen Sklavenhandel in der F....straße hielt, um in der am nächsten Tage Statt findenden Auktion zum Verkaufe gestellt zu werden. Tom hatte einen ganz ansehnlichen Koffer mit Kleidungsstücken bei sich, wie die meisten Anderen. Sie wurden für die Nacht in ein langes Zimmer geführt, in welchem sich viele andere Männer von jedem Alter, jeder Größe und Schattirung befanden, die ein Gebrüll von Lachen und sorgloser Fröhlichkeit erschallen ließen.
»Ah, ah! das ist recht. Nur zu, Jungens, — nur zu,« sagte Mr. Skeggs, der Verwalter. »Meine Leute sind immer lustig! — Sambo, ich sehe!« fügte er, an einen dicken Neger gewendet, beifällig hinzu, der durch Possen der niedrigsten Art das Gelächter erzeugte, welches Tom gehört hatte.
Wie sich leicht denken läßt, war Tom nicht in der Stimmung, an diesen Spässen Theil zu nehmen. Indem er deshalb seinen Kasten so entfernt wie möglich von der lärmenden Gruppe auf den Boden stellte, setzte er sich darauf nieder, und lehnte seinen Kopf gegen die Wand.
Die Händler mit menschlichen Waaren bemühen sich gewissenhaft, auf systematische Weise geräuschvolle Heiterkeit unter ihnen zu erhalten und zu befördern, als ein Mittel, jedes Nachdenken zu ertödten und sie gefühllos für ihre Lage zu machen. Der ganze Zweck der Zucht, unter welche der Neger von dem Augenblicke an gebracht wird, wo er auf dem nördlichen Markte verkauft worden, bis dahin, wo er nach Süden kömmt, ist darauf berechnet, ihn gefühllos und sorglos zu machen. Der Sklavenhändler sammelt sich eine Anzahl in Virginien oder Kentucky, und treibt sie nach irgend einem passenden, gesunden Orte, um fett zu werden. Hier werden sie täglich mit überflüssiger Nahrung versehen, und, weil Manche darunter sind, welche sich zum Gram hinneigen, wird eine Geige für sie gehalten, nach der sie täglich tanzen müssen; und derjenige, welcher es verweigert, heiter zu sein, — in dessen Seele vielleicht die Gedanken an Weib, Kind oder Heimath zu stark sind, um fröhlich sein zu können, — wird als tückisch und gefährlich bezeichnet, und allen Uebeln bloß gestellt, die der Unwille eines gefühllosen und von jeder Verantwortung freien Menschen ihm auferlegen kann. Gewandtheit, Munterkeit und Heiterkeit, besonders in Gegenwart von Beobachtern, werden ihnen fortwährend eingeprägt, nicht nur durch die ihnen vorgehaltene Hoffnung, dadurch einen guten Herrn zu bekommen, sondern auch durch die Furcht vor den Uebeln, welche der Händler ihnen zufügen darf, im Falle sie nicht verkauft werden können.
»Was macht dieser Nigger hier?« sagte Sambo, sich Tom nähernd, nachdem Mr. Skeggs das Zimmer verlassen hatte. Sambo war ganz schwarz, groß, sehr lebendig, gesprächig, und voll von Possen und Grimassen.
»Was machst Du hier?« sagte Sambo, zu Tom herankommend, und ihn scherzhaft in die Seite stoßend: — »nachdenken, he?«
»Ich soll morgen verkauft werden, — auf der Auktion,« entgegnete Tom ruhig.
»Verkauft — auf Auktion, — ho! ho! Jungens, ist das nicht ein Spaß? Wollte, ich ginge selbst den Weg! — sage Euch, wollt' ich sie nicht lachen machen? Aber wie, — die ganze Sippschaft hier soll morgen verkauft werden?« sagte Sambo, seinen Arm vertraulich auf Adolphs Schulter legend.
»Ich bitte, mich in Frieden zu lassen,« sagte Adolph grimmig, und sich mit dem Ausdruck des äußersten Abscheu's in die Höhe richtend.