»O, Master, wir sind's nicht, — wir sind ganz ordentlich, — hier, diese Neuen sind's; — die lassen uns nicht zufrieden, — haben uns zum Besten immer zu!«
Der Aufseher wandte sich hierauf gegen Tom und Adolph, theilte einige Stöße und Püffe ohne viel Untersuchung aus, und verließ sodann wieder das Zimmer, nachdem er zuvor allgemeine Befehle für Alle, sich ruhig zu verhalten und zum Schlafen niederzulegen, zurückgelassen hatte.
Während diese Scene im Schlafzimmer der Männer spielte, ist der Leser vielleicht nicht abgeneigt, einen Blick in das dem weiblichen Personale angewiesene, ähnliche Gemach zu thun. Ausgestreckt auf dem Erdboden in den verschiedenartigsten Stellungen kann er hier zahllose Gestalten, von jeder Hautfarbe, vom schwärzesten Ebenholz bis zum reinsten Weiß, und von jedem Alter, vom Kindes- bis zum Greisenalter, schlafen sehen. Hier liegt ein schönes, liebliches Mädchen von zehn Jahren, dessen Mutter gestern verkauft wurde, und welches sich diese Nacht selbst in den Schlaf weinte, während Niemand darauf achtete. Hier befindet sich eine alte Negerin, deren dünne Arme und knöcherige Finger von schwerer Arbeit erzählen, und die am morgenden Tage als ein abgenutzter Artikel losgeschlagen werden soll; und um sie her liegen vierzig bis fünfzig Andere ausgestreckt, deren Köpfe in Bettdecken oder Theile ihrer Kleidungsstücke gewickelt sind. Allein in der Ecke, abgesondert von den Uebrigen, sitzen zwei Frauenzimmer, deren Aeußeres mehr Interesse als gewöhnlich erweckt. Die Eine derselben ist eine anständig gekleidete Mulattin zwischen vierzig und fünfzig Jahren, mit sanften Augen und weichen, einnehmenden Zügen. Sie trägt auf dem Kopfe einen hohen, aus rothseidenen Madrastüchern gewundenen Turban, und ihre Kleidung ist von feinem Stoffe und sauberer Arbeit, was als Beweis gilt, daß sie einer sorgsamen Hand bisher angehört hat. An ihrer Seite, dicht an sie gedrückt, sitzt ein junges Mädchen von fünfzehn Jahren, — ihre Tochter. Sie ist eine Quadroon, wie ihre hellere Gesichtsfarbe andeutet, obgleich ihre Aehnlichkeit mit der Mutter unverkennbar ist. Sie hat dasselbe sanfte, dunkle Auge, nur mit längeren Wimpern, und ihr üppiges, lockiges Haar ist von glänzendem Braun. Ihre Kleidung ist ebenfalls von der größten Sauberkeit, und ihre zarten, weißen Hände verrathen wenig Bekanntschaft mit niedriger Arbeit. Diese Beiden sollen am morgenden Tage zugleich mit den St. Clare'schen Leuten verkauft werden; und der Herr, dem sie gehören, und dem das für sie gelöste Geld zugeschickt werden soll, ist Mitglied einer christlichen Kirche in New-York, welcher das Geld in Empfang nehmen, und nachher zum Sakramente seines und ihres Herrn gehen und nicht weiter an sie denken wird.
Diese beiden Frauenzimmer, welche wir Susan und Emmeline nennen wollen, waren Dienerinnen einer liebenswürdigen und frommen Dame in New-Orleans gewesen, von der sie mit Sorgfalt und in Frömmigkeit erzogen und unterrichtet worden waren. Sie hatten lesen und schreiben, und die Wahrheiten der Religion erkennen gelernt, und ihr Loos war im Allgemeinen ein so glückliches gewesen, als es unter ihren Verhältnissen überhaupt möglich war. Allein der einzige Sohn ihrer Beschützerin, welcher die Verwaltung ihres ganzen Eigenthums hatte, versank durch Nachlässigkeit oder Verschwendung in eine tiefe Schuldenlast und fallirte endlich. Einer der bedeutendsten Creditoren war die sehr achtbare Firma B. et Cie. in New-York. Dieselbe schrieb an ihren Anwalt in New-Orleans, welcher das vorhandene Vermögen mit Arrest belegte (dessen werthvollster Theil in diesen beiden Frauenzimmern und einer Anzahl Feldsklaven bestand), und der Letztere erstattete Bericht an die Firma. Bruder B., der, wie gesagt, ein christlicher Mann und ein Bewohner eines Freistaates war, fühlte einige Unbehaglichkeit über diesen Gegenstand. Er wollte natürlich nicht gern mit Sklaven und menschlichen Seelen handeln; allein es handelte sich um dreißig tausend Dollars in diesem Falle, und dies war eine etwas zu große Summe, um sie einem Principe zu opfern; und so schrieb endlich Bruder B. nach langer Ueberlegung und nach Einholung von Rath bei Denjenigen, deren Rath, wie er wußte, ihm zusagen werde, an seinen Anwalt, daß er den Aktivbestand auf die zweckmäßigste Weise verwerthen und den Erlös an ihn einsenden möge.
Am Tage nach Eingang dieses Briefes wurden Susan und Emmeline mit Arrest belegt, und an den Sklavendepot abgeliefert, um dort die am nächsten Morgen stattfindende allgemeine Versteigerung zu erwarten; und während sie jetzt dort schwach im Mondlichte schimmern, welches sich durch die vergitterten Fenster stiehlt, können wir ihrer Unterhaltung lauschen. Beide weinen, aber Jede leise und im Stillen, damit die Andere es nicht höre.
»Mutter, lege Deinen Kopf in meinen Schooß, und versuche, ob Du nicht ein wenig schlafen kannst,« sagte das junge Mädchen, während es sich Mühe gab, ruhig zu erscheinen.
»Ich habe kein Herz zu schlafen, Em; ich kann nicht; — es ist vielleicht die letzte Nacht, daß wir bei einander sind!«
»O Mutter, sage das nicht! vielleicht werden wir zusammen verkauft, — wer weiß!«
»Wenn jemand anderes sich in diesem Falle befände, so würde ich das auch sagen, Em,« entgegnete die Mutter, »aber ich habe so große Angst, Dich zu verlieren, daß ich nichts als die Gefahr sehe.«
»Aber Mutter, der Mann sagte doch, daß wir beide gut aussähen, und gut verkauft werden würden.«