Susan erinnerte sich der Blicke und Worte des Mannes. Mit innerem Beben gedachte sie, wie er Emmelinens Hände betrachtet, und ihre Locken aufgehoben, und sie für einen Artikel erster Klasse erklärt hatte. Susan war auf christlichem Wege erzogen, und an ein tägliches Lesen der Bibel gewöhnt worden, und hegte deshalb denselben Abscheu davor, ihr Kind zu einem Leben der Schande verkauft zu sehen, wie jede andre christliche Mutter; aber sie hatte keine Hoffnung — keinen Schutz für sie.
»Mutter, ich denke, wir könnten uns recht wohl befinden, wenn Du eine Stelle als Köchin, und ich als Stubenmädchen oder Näherin in irgend einer Familie bekämest. Ich hoffe es. Laß uns beide so heiter aussehen wie wir können, und Alles sagen, was wir verstehen; vielleicht bekommen wir dann solche Stellen,« sagte Emmeline.
»Du mußt morgen Dein ganzes Haar glatt nach hinten kämmen,« sagte Susan.
»Weshalb, Mutter? ich sehe dann bei weitem nicht so gut aus.«
»Ja, aber Du wirst so besser verkauft werden.«
»Ich sehe nicht ein, weshalb!« sagte das Kind.
»Anständige Familien werden Dich eher kaufen, wenn Du einfach und sittsam aussiehst, und Dich nicht hübsch machen willst. Ich kenne ihre Art und Weise besser als Du,« sagte Susan.
»Gut, Mutter, dann will ich es thun.«
»Und wenn wir uns von morgen an nie wieder sehen sollten, Emmeline, — wenn ich nach irgend einer Plantage verkauft werden sollte, und Du anderswohin, — so denke immer daran, wie Du erzogen worden bist, und was Missis Dir gesagt hat. Nimm' Deine Bibel und Dein Gesangbuch mit Dir, und sei Gott getreu, so wird er Dir getreu sein.«
So spricht die arme Seele in schmerzlicher Muthlosigkeit, denn sie weiß, daß am folgenden Tage jeder Mensch, so gemein und roh, so gottlos und unbarmherzig er auch immer sein möge, Herr ihrer Tochter an Leib und Seele werden kann, sobald er das nöthige Geld für sie zu erlegen im Stande ist; und wie soll das Kind dann seinem Gott getreu bleiben? Sie denkt an alles dies, während sie ihre Tochter im Arme hält, und wünscht, daß diese weniger hübsch und anziehend sein möchte. Sie hat keine andre Zuflucht als zum Gebete; und viele solcher Gebete sind von diesen saubern, reinlichen Sklavengefängnissen zu Gott emporgestiegen, — Gebete, die Gott nicht vergessen hat, wie sich an einem Tage, der noch kommen soll, zeigen wird; denn es steht geschrieben: »Wer aber ärgert dieser Geringsten Einen, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meere da es am tiefsten ist.«