Die sanften, ernsten, stillen Mondesstrahlen fallen durch die Stäbe des vergitterten Fensters, und werfen den Schatten derselben auf die ausgestreckten, schlafenden Gestalten, während Mutter und Tochter eine jener milden, melancholischen Trauerarien singen, welche unter den Sklaven als Begräbnißgesänge üblich sind.

Singt nur, arme Seelen! Die Nacht ist kurz, und der kommende Morgen wird Euch für ewig trennen!

Aber jetzt tagt der Morgen, und Alles ist munter; und der würdige Mr. Skeggs ist geschäftig und guter Laune, denn eine Quantität Waare soll zur Versteigerung in Stand gesetzt werden. Alles macht Toilette, und Befehle ergehen an einen Jeden, das beste Gesicht anzulegen, und heiter zu sein; und dann werden alle zur letzten Revüe in einen Kreis gestellt, ehe sie nach der Börse abgeführt werden, und Mr. Skeggs, mit der Cigarre im Munde, hält die letzte Schau.

»Was ist das?« fragte er, vor Susan und Emmelinen tretend. »Wo sind Deine Locken, Mädchen?«

Das Mädchen blickte furchtsam auf ihre Mutter, welche mit der ihrem Geschlechte eigenthümlichen, sanften Gewandtheit antwortete: »Ich sagte ihr gestern Abend, ihr Haar glatt zu kämmen, und es nicht in Locken umherhängen zu lassen, weil es anständiger aussehe.«

»O Unsinn!« entgegnete der Mann, und fügte, sich in befehlendem Tone an das Mädchen wendend, hinzu: »Du gehst mir auf der Stelle, und bringst Deine Locken wieder ordentlich in Stande! — und bist mir schnell wieder hier!« und an die Mutter gerichtet, sagte er: »Die Locken bringen vielleicht 'en hundert Dollar mehr beim Verkaufe.«

Unter einem glänzenden Dome befanden sich Menschen aller Nationen, die sich auf den Marmorplatten des Fußbodens hin und her bewegten. Auf jeder Seite der kreisförmigen Area standen kleine Tribünen zum Gebrauche von Rednern oder Auktionatoren. Zwei derselben auf gegenüberliegenden Seiten der Area waren jetzt von talentvollen Männern besetzt, welche mit großem Enthusiasmus in gemischtem Englisch und Französisch die Gebote der Kenner ihrer verschiedenen Waaren in die Höhe trieben. Eine dritte Tribüne auf der andern Seite, noch unbesetzt, war von einer Gruppe umringt, welche auf den Anfang der Versteigerung wartete. Hier können wir St. Clares ehemalige Dienstboten finden, Tom, Adolph und andere; und außerdem Susan und Emmeline, welche mit angstvollen, niedergeschlagenen Mienen ihr Schicksal erwarten. Mehrere Zuschauer, theils kauflustig, theils nicht, umgaben die Gruppe, und untersuchten, befühlten und besprachen die verschiedenen Gesichter und Gliedmaßen mit derselben Freiheit, mit der eine Gesellschaft Roßkämme die Verdienste eines Pferdes bespricht.

»Holla! Alf! was bringt Dich denn hieher?« sagte ein junger Stutzer, einem andern, auffallend geputzten jungen Manne auf die Schulter schlagend, welcher Adolph durch eine Lorgnette beobachtete.

»Ich brauche einen Lackei,« entgegnete dieser, »und hörte, daß St. Clare's Leute an die Reihe kämen; und so wollt' ich mir 'mal ansehen —«