»Ich will thun, was ich kann,« sagte der gutmüthig aussehende Mann, drängte sich vor und fing an mitzubieten. In wenigen Augenblicken haben die Gebote seine Börse überstiegen, und er schweigt. Der Auktionator wird wärmer, aber die Gebote lassen allmählig nach. Es sind nur noch zwei Bieter da, ein alter, aristokratischer Bürger, und unser rundköpfiger Freund. Der Bürger überbietet mehrmals, und sieht seinen Gegner verächtlich an; aber der Rundkopf ist ihm überlegen, sowohl an Hartnäckigkeit als in geheimer Länge der Börse, und der Streit währt nur kurze Zeit. Der Hammer fällt, — er hat das Mädchen, Leib und Seele, so Gott ihr nicht hilft.
Ihr Herr ist Mr. Legree, welcher eine Baumwollen-Plantage am rothen Fluß besitzt. Sie wird mit Tom und zwei andern Männern zusammen getrieben, und weinend fortgeschleppt.
Dem gutmüthigen Manne thut es leid; allein der Fall ereignet sich täglich! Man sieht ja stets auf diesen Verkäufen Mädchen und Mütter weinen! es läßt sich nicht ändern, u. s. w., und er entfernt sich mit seinem neuen Besitzthume in einer anderen Richtung.
Zwei Tage später sandte der Anwald der christlichen Firma B et Cie. in New-York das Geld ein. Auf die Rückseite des auf diese Weise erlangten Wechsels mögen sie die Worte des großen Zahlmeisters schreiben, dem sie an einem späteren Tage werden Rechenschaft legen müssen: »Denn er gedenket und fraget nach ihrem Blut; er vergißt nicht des Schreiens der Armen.«
Einunddreißigstes Kapitel.
Die Fahrt.
Deine Augen sind rein, daß du Uebles nicht sehen magst, und dem Jammer kannst du nicht zusehen. Warum siehst du denn zu den Verräthern und schweigest, daß der Gottlose verschlinget den, der frömmer denn er ist.
Am unteren Ende eines kleinen Bootes, auf dem rothen Flusse, saß Tom, — Ketten an seinen Handgelenken, Ketten an seinen Füßen, und eine Last, schwerer als diese Ketten, auf seiner Brust. Alles war an seinem Horizonte verschwunden, — Mond und Sterne; Alles war an ihm vorübergeflogen wie die Bäume und Ufer jetzt an ihm vorüber flogen, um nie wieder zu kehren. Die Heimath in Kentucky, mit Weib und Kindern und der freundlichen Herrschaft; St. Clare's Haus mit allem seinem Luxus und Glanze; der goldlockige Kopf Eva's mit seinen frommen Augen; der stolze, heitre, hübsche, anscheinend so sorglose, aber immer gütige St. Clare; Stunden der Muße und Behaglichkeit, — Alles fort! und was war an dessen Stelle geblieben?
Es gehört mit zu den bittersten Erfahrungen des Sklavenlebens, daß der Neger, der von Natur mitfühlend und leicht empfänglich ist, nachdem er in einer gebildeten Familie den Geschmack und die Empfindungen der dortigen Atmosphäre kennen gelernt hat, nichts destoweniger in jedem Augenblick wieder der Sklave des rohesten und brutalsten Menschen werden kann, — gerade wie ein Stuhl oder Tisch, welcher einst den kostbarsten Salon zierte, und endlich zerschlagen und entstellt in das Schenkzimmer eines schmutzigen Wirthshauses oder in eine niedrige Höhle gemeiner Ausschweifung gelangt. Der große Unterschied besteht aber darin, daß der Stuhl und der Tisch nicht empfinden können, wohl aber der Sklave; denn selbst der Ausspruch des Gesetzes, daß er »als ein Gegenstand persönlicher Habe erachtet und gehalten werden solle,« ist nicht im Stande, seine Seele, mit ihrer eigenen kleinen Welt von Erinnerungen, Hoffnungen, Liebe, Furcht und Wünschen zu vernichten.