»Sehr wahrscheinliche Geschichte!« sagte der Andere kurz, während er weiter ging. Er blieb einen Augenblick vor Adolph stehen, feuerte eine Ladung Tabakssaft auf seine blank geputzten Stiefeln ab, und ging mit einem verächtlichen »Umph!« weiter. Vor Susan und Emmelinen blieb er wieder stehen. Er streckte seine schwere schmutzige Hand aus, und zog das Mädchen zu sich, strich ihr damit über Nacken und Brust, untersuchte ihre Zähne, und stieß sie dann wieder zu ihrer Mutter zurück, deren geduldiges Gesicht das tiefe Leiden verrieth, welches sie bei jeder Bewegung des scheußlichen Fremden empfunden hatte.
Das Mädchen war erschreckt worden, und fing an zu weinen.
»Still da! Du Heuldirne! kein Blärren hier!« rief der Auktionator, — »der Verkauf beginnt.«
Adolph wurde für eine gute Summe dem jungen Manne zugeschlagen, welcher seine Absicht, ihn zu kaufen, vorher schon erklärt hatte; und die übrigen Leute St. Clare's fielen verschiedenen Bietern zu.
»Hinauf nun mit Dir, Bursche! hörst Du?« rief der Auktionator Tom zu.
Tom stieg auf den Block und ließ seine Blicke ängstlich umher streifen, während alles Geräusch in einem gemeinsamen, undeutlichen Lärm zusammenfloß, — das Geschrei des Verkäufers, welcher Tom's Eigenschaften in Französisch und Englisch ausrief, das scharfe Feuer der französischen und englischen Gebote; — und einen Augenblick später folgte der letzte Schlag des Hammers, und der deutliche Schall der letzten Sylbe des Wortes Dollar, als der Auktionator die Summe verkündete, und Tom hatte einen Herrn!
Er wurde vom Block hinabgestoßen; — der kleine, rundköpfige Mann packte ihn bei der Schulter, stieß ihn nach einer Seite, und rief ihm mit lauter Stimme zu: »Hier bleib stehen!«
Tom wußte kaum, was mit ihm geschah. Inzwischen dauerten die Gebote fort, — lärmend und geräuschvoll, bald englisch, bald französisch. Nieder fällt der Hammer wieder, — Susan ist verkauft! Sie steigt vom Blocke herab, bleibt stehen, und blickt sich kummervoll um; — ihre Tochter streckt ihre Arme nach ihr aus. Sie schaut verzweiflungsvoll dem Manne in's Gesicht, der sie gekauft hat, — ein anständig aussehender Mann von mittlerem Alter, mit wohlwollenden Zügen.
»O Master, bitte, kaufen Sie meine Tochter auch!«
»Ich hätte wohl Lust, aber ich fürchte, ich kann nicht!« sagte der Mann, und schaute mit ängstlichem Interesse zu, als das junge Mädchen den Block bestieg, und sich mit furchtsamen, scheuen Blicken umschaute. Das Blut steigt in ihre sonst bleichen Wangen, ihr Auge glüht fieberhaft, und ihre Mutter gewahrt verzweiflungsvoll, daß sie schöner erscheint als zuvor. Der Auktionator sieht seinen Vortheil und läßt sich mit geläufiger Zunge in gemischtem Englisch und Französisch über ihre Vorzüge aus, und die Gebote folgen schnell aufeinander.