»Hattest Du Angehörige?« fragte Emmeline.
»Ja, einen Mann, — er ist ein Hufschmied. Master verdung ihn gewöhnlich. Sie schleppten mich so schnell fort, daß ich ihn nicht 'mal mehr sehen konnte; und ich habe vier Kinder. O mein Gott!« sagte das Weib, und bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen.
Es ist ein natürliches Gefühl bei Jedem, der eine Schilderung des Elends hört, irgend ein Trostwort sagen zu wollen. Emmeline wollte auch etwas sagen, aber sie konnte sich auf nichts besinnen. Was sollte sie sagen? Wie aus Uebereinkommen vermieden Beide vor Furcht und Schrecken des entsetzlichen Mannes Erwähnung zu thun, der jetzt ihr Herr war.
Wahr ist, daß es selbst in der trübsten Stunde einen religiösen Trost gibt. Die Mulattin war Mitglied einer methodistischen Kirche, und besaß zwar einen unaufgeklärten Geist, aber aufrichtige Frömmigkeit. Emmeline hatte eine bessere Bildung empfangen; sie hatte durch die Fürsorge einer frommen Mistreß lesen, schreiben und die Bibel verstehen gelernt; aber würde es nicht selbst den Glauben des besten Christen erschüttern, wenn er sich anscheinend so von Gott verlassen, und in den Klauen der rohesten Gewalt befände? Wie viel mehr mußte es den Glauben von Kindern erschüttern, die noch schwach in Erkenntniß, und zart an Jahren waren.
Das Boot verfolgte seinen Lauf, — beladen mit seiner kummerschweren Last, — durch den röthlichen, trüben Strom, und durch die Windungen des rothen Flusses hinauf; und traurige, müde Augen ruhten auf den steilen, röthlichen Kalkufern, die in öder Einförmigkeit vorüber glitten. Endlich hielt das Boot vor einer kleinen Stadt an, und Legree schiffte sich mit seinem Trupp Sklaven aus.
Zweiunddreißigstes Kapitel.
Finstere Orte.
Das Land ist allenthalben jämmerlich verheeret, und die Häuser zerrissen.
Müde und matt sich hinter einem rohen Wagen herschleppend, einen rauhen Weg entlang, verfolgten Tom und seine Genossen ihre Reise.