Tom dankte ihr, und die Frau setzte sich auf den Boden nieder, zog ihre Kniee an, und diese mit den Armen umfassend, blickte sie mit einem bitteren, schmerzlichen Ausdrucke ihres Gesichts starr vor sich hin. Ihr Hut fiel zurück, und langes, üppiges, schwarzes Haar strömte um ihr sonderbares, melancholisches Gesicht.

»Es ist vergeblich, mein armer Mensch!« begann sie endlich, »Es ist vergeblich, was Du zu thun versucht hast. Warst ein braver Bursche, — und hattest das Recht auf Deiner Seite; aber 's hilft Dir alles nichts, dagegen zu kämpfen. Du bist in des Teufels Händen; — er ist der Stärkere, und Du mußt nachgeben!«

»Nachgeben!« und hatten nicht menschliche Schwäche und physischer Schmerz ihm das schon zuvor in's Ohr geflüstert? Tom erschrak; denn das bittere Weib mit den wilden Augen und der melancholischen Stimme erschien ihm als die verkörperte Versuchung, gegen die er gekämpft hatte.

»O Herr! o Herr!« stöhnte er, »wie kann ich nachgeben?«

»Es hilft nichts, den Herrn anrufen, — er hört es nie,« sagte die Frau mit ruhiger, fester Stimme. »Ich glaube, es gibt keinen Gott; oder, wenn es einen gibt, so hat er gegen uns Partei genommen. Alles ist gegen uns, Himmel und Erde; Alles hilft dazu, uns in die Hölle zu stoßen; — warum sollten wir nicht gehen?«

Tom schloß seine Augen, und schauderte vor den finsteren, atheistischen Worten.

»Siehst Du,« fuhr die Frau fort, »Du verstehst davon nichts, — aber ich. Ich bin hier fünf Jahre gewesen, mit Leib und Seele unter dieses Mannes Fuß, und hasse ihn wie den Teufel! Du bist hier auf einer einsamen Pflanzung, zehn Meilen von jeder andern entfernt, in den Sümpfen; und keine weiße Person ist hier, die Zeugniß ablegen könnte, wenn Du auch lebendig verbrannt, oder geschunden, in Stücke gehauen, den Hunden vorgeworfen, oder aufgehängt und zu Tode gepeitscht würdest. Es gibt kein göttliches und kein menschliches Gesetz hier, das Dir von Nutzen sein könnte, und dieser Mann! — es gibt Nichts, das er zu gut zu thun wäre. Ich könnte Dein Haar sträuben und Deine Zähne klappern machen, wenn ich Dir erzählen wollte, was ich hier gesehen und gehört habe; — es hilft nichts, hier Widerstand zu leisten! — Wollte ich etwa mit ihm leben? War ich nicht ein Weib, das eine feine Erziehung erhalten hatte? und er — Gott im Himmel! was war er, und was ist er? Und dennoch habe ich mit ihm seit fünf Jahren gelebt, und jeden Augenblick meines Lebens verflucht, — Nacht und Tag! Und jetzt hat er eine Neue bekommen, — ein junges Ding, erst fünfzehn Jahre alt, und fromm erzogen, wie sie sagt. Ihre gute Mistreß hat sie gelehrt, die Bibel lesen, und sie hat ihre Bibel mitgebracht, — mit in die Hölle!« — und das Weib stieß ein wildes, schmerzliches Lachen aus, das mit sonderbarem, übernatürlichem Klange durch den verfallenen alten Schuppen schallte.

Tom faltete seine Hände. Alles war Schrecken und Finsterniß.

»O Jesus! Herr Jesus! hast Du uns arme Geschöpfe ganz vergessen?« fing er endlich an zu klagen. »O hilf, Herr! ich komme um!«

Das Weib fuhr in strengem Tone fort: