Ein oder zwei Abende später saß Legree in dem alten Wohnzimmer bei einem flackernden Holzfeuer, das einen ungewissen Schein im Zimmer umher warf. Es war eine stürmische Regennacht, eine solche, die ganze Schaaren unbeschreibbarer Töne und Laute in baufälligen alten Häusern erweckt. Fenster rasselten, Laden schlugen auf und zu, der Wind lärmte, und fuhr den Schornstein herab, und peitschte dann und wann Rauch und Asche umher, als wenn eine Legion Geister hinter ihm käme. Legree hatte ein Paar Stunden lang Rechnungen geprüft und Zeitungen gelesen, während Cassy in der Ecke saß und mürrisch in das Feuer sah. Legree legte die Papiere hin und da er ein altes Buch auf dem Tische liegen sah, welches er Cassy im ersten Theile des Abends hatte lesen sehen, nahm er es auf und begann darin zu blättern. Es war eine jener Sammlungen von Geschichten blutiger Morde, Gespenstern und übernatürlichen Erscheinungen, welche in ihrem rohen Gewande und mit Kupfern verziert, einen eigenthümlichen Reiz für den haben, der sie einmal zu lesen anfängt.

Legree sagte wiederholt: Pah! und Pfui! las aber zu, indem er Blatt auf Blatt umkehrte, bis er endlich, nachdem er eine gute Strecke hineingelesen, das Buch mit einem Fluche wegwarf.

»Du glaubst nicht an Geister, Cassy, nicht wahr?« sagte er, indem er die Zange nahm und das Feuer schürte. »Ich dachte, Du hättest mehr Verstand, als Dich von solchem Lärm in Furcht jagen zu lassen.«

»Es kommt nichts darauf an, was ich glaube,« sagte Cassy mürrisch.

»Auf der See pflegten die Kerle zu versuchen, mir mit ihren Geschichten bange zu machen,« sagte Legree. »Mich übertölpelt Keiner auf die Art. Ich bin zu fest für dergleichen Plunder, das kann ich Dir sagen.«

Cassy saß im Schatten der Ecke und schaute ihn mit durchdringenden Blicken an. Es war jenes seltsame Licht in ihren Augen, das auf Legree immer einen unheimlichen Eindruck machte.

»Der Lärm war nichts als Ratten und Wind,« sagte Legree. »Ratten machen einen Teufelslärm. Ich habe sie zuweilen unten im Schiffsraume gehört; und Wind — um Gottes Willen! man kann Alles aus Wind machen.«

Cassy wußte, daß es Legree unter ihrem Blicke nicht wohl war, und sie antwortete deßhalb nicht, sondern fuhr fort, den Blick auf ihn zu heften mit demselben seltsamen, unheimlichen Ausdruck wie vorher.

»Sprich doch, Weib — nicht wahr?« sagte Legree.