Man sagt, daß der Vortheil des Herrn ein hinreichender Schutz für den Sklaven sei. In der Wuth des tollen Willens verkauft der Mensch wissentlich und mit offnen Augen seine eigne Seele dem Teufel, um zu seinem Zwecke zu gelangen; und wird er für seines Nächsten Leib mehr Sorge tragen?

»Nun,« sagte Cassy am nächsten Tage, als sie von der Dachkammer aus durch das Astloch spähte, »die Jagd wird heute wieder anfangen!«

Drei bis vier Reiter galoppirten auf dem Platze vor dem Hause umher; und mehrere Koppeln fremder Hunde sträubten sich gegen die Neger, welche dieselben hielten, und bellten sich einander an.

Zwei der Leute waren Aufseher in benachbarten Pflanzungen; die Andern gehörten zu Legree's Genossen in der Schenke einer benachbarten Stadt, welche der Reiz der Jagd hergezogen hatte. Eine rohere Rotte konnte man sich nicht vorstellen. Legree schenkte Brandwein im Ueberflusse unter sie wie unter die Neger aus, welche von verschiedenen Pflanzungen zu dieser Dienstleistung gestellt worden waren, denn es war Gebrauch, jeden derartigen Dienst für die Neger so viel als möglich zu einem Festtage zu machen.

Cassy legte das Ohr an das Astloch; und da die Morgenluft gerade auf das Haus zu wehte, so konnte sie ziemlich viel von der Unterhaltung hören. Ein tiefer Hohn lagerte sich über dem dunkeln, strengen Ernst ihres Antlitzes, als sie horchte und hörte, wie sie das Feld vertheilten, die verschiednen Vorzüge der Hunde abhandelten, Befehle in Betreff des Feuerngebens und der Behandlung einer Jeden im Falle des Gefangennehmens.

Cassy zog sich zurück; sie schaute mit gefalteten Händen empor und sagte: »O, großer, allmächtiger Gott! Wir sind alle Sünder; aber was haben wir mehr, als die übrige Welt verbrochen, daß wir so behandelt werden?«

Es lag ein furchtbarer Ernst in ihrem Antlitz und ihrer Stimme, als sie sprach.

»Wenn es nicht für Dich wäre, Kind,« sagte sie, auf Emmeline blickend, »ginge ich zu ihnen hinaus; und würde es dem Dank wissen, der mich niederschöße; denn was kann mir die Freiheit helfen? Kann sie mir meine Kinder wieder geben, oder mich wieder dazu machen, was ich war?«

Emmeline in ihrer kindlichen Einfalt fürchtete sich fast vor der finstern Stimmung Cassy's. Sie sah bestürzt aus und gab keine Antwort. Sie ergriff blos ihre Hand mit einer sanften, liebkosenden Bewegung.

»Nicht doch!« sagte Cassy, indem sie dieselbe zurückzuziehen versuchte; »Du willst mich zwingen, Dich lieb zu haben; aber ich will nichts wieder lieben!«