Glaub nicht den Guten vom Himmel vergessen,
Wenn auch das Leben ihm Alles verweigert, —
Wenn mit gebrochenem, blutenden Herzen,
Unter Hohn und Verachtung er langsam stirbt;
Denn Gott hat jeden Kummer verzeichnet,
Und jede bittre Thräne gezählt;
Und lange Jahre himmlischen Segens
Zahlen, was seine Kinder geduldet.
Der längste Tag muß sein Ende haben — auf die früheste Nacht folgt ein Morgen. Ein ewiger, unerbittlicher Verlauf von Augenblicken treibt immer den Tag des Bösen zur ewigen Nacht, und die Nacht des Gerechten zu einem ewigen Tage. Wir sind mit unserem demüthigen Freunde so weit durch das Thal der Sklaverei gewandelt; erst durch blumige Gefilde der Ruhe und Gemächlichkeit, dann durch die herzzerreißende Trennung von Allem, was den Menschen theuer ist. Dann haben wir mit ihm auf einem sonnigen Eilande verweilt, wo edle Hände seine Ketten unter Blumen verbargen; und zuletzt sind wir ihm dahin gefolgt, wo der letzte Strahl irdischer Hoffnung verschwand, und haben gesehn, wie in der Finsterniß irdischer Macht die Feste des Ungesehenen mit Sternen eines neuen und bedeutungsvollen Glanzes schimmerte.
Der Morgenstern steht nun über den Gipfeln der Berge, und überirdische Winde und Lüfte verkünden, daß die Pforten des Tages sich öffnen.
Die Flucht Cassy's und Emmelinen's reizte die vorher schon mürrische Stimmung Legree's im höchsten Grade; und, wie zu erwarten war, fiel seine Wuth auf das vertheidigungslose Haupt Tom's. Als er seinen Leuten hastig die Neuigkeit mittheilte, glänzten Tom's Augen, und er hob seine Hände empor. Das entging ihm nicht. Er sah, daß er sich dem Aufgebot der Verfolger nicht anschloß, und dachte darauf, ihn dazu zu zwingen; aber da er schon von früher her Erfahrungen über seine Unbeugsamkeit hatte, wenn ihm befohlen wurde, Theil an einer Grausamkeit zu nehmen, so wollte er sich jetzt in seiner Eile nicht dadurch aufhalten lassen, daß er einen Streit mit ihm anfing.
Tom blieb also mit einigen Wenigen zurück, die von ihm beten gelernt hatten, und flehte mit ihnen für das Entkommen der Flüchtlinge zum Himmel.
Als Legree getäuscht und betrogen zurückkehrte, fing der ganze Haß, der ihm schon lange gegen seinen Sklaven in der Seele arbeitete, an, eine tödtliche und verzweifelte Gestalt anzunehmen. Hatte ihm der Mann nicht getrotzt — hartnäckig, mächtig, unwiderstehlich — seit dem er ihn gekauft hatte! War nicht ein Geist in demselben, der, wenn auch schweigend, ihn wie Feuer der Verdammniß brannte!
»Ich hasse ihn!« sagte Legree in jener Nacht, als er sich in seinem Bette aufrichtete; »ich hasse ihn! Und gehört er nicht mir? Kann ich mit ihm nicht machen, was ich will? Es soll mich doch wundern, wer 's mir wehren will?« Und Legree ballte die Faust und schüttelte sie, als wenn er etwas in der Hand hätte, das er in Stücke brechen wollte.
Aber Tom war doch ein treuer, werthvoller Diener; und obgleich Legree ihn deßhalb um so mehr haßte, so war diese Rücksicht doch immer noch etwas, das ihn in Schranken hielt.
Er beschloß, am nächsten Morgen noch nichts zu sagen; sondern eine Gesellschaft von den benachbarten Pflanzungen mit Hunden und Flinten zu versammeln, den Sumpf zu umstellen und die Jagd systematisch zu betreiben. Wenn es gelänge, gut; wenn nicht, so wollte er Tom vor sich fordern, und dann — er knirschte mit den Zähnen und sein Blut siedete — dann wollte er den Burschen niederbrechen, oder — und seine Seele antwortete auf ein gräßliches innerliches Geflüster.