»Arme Geschöpfe!« sagte Tom, »ich will gern Alles getragen haben, wenn es Euch nur zu Christus bringt! O Gott! ich bitte Dich, gib mir nur noch diese beiden Seelen!«
Das Gebet wurde erhört.
Einundvierzigstes Kapitel.
Der junge Master.
Zwei Tage darauf fuhr ein junger Mann in einem leichten Wagen durch die Orangen-Allee herauf, warf die Zügel eilig auf die Rücken der Pferde, sprang heraus und fragte nach dem Besitzer der Plantage.
Es war Georg Shelby; und um zu zeigen, wie er hierher kam, müssen wir in unsrer Geschichte zurück gehen.
Der Brief Opheliens an Mrs. Shelby war durch einen unglücklichen Zufall einen oder zwei Monate auf einer entlegenen Post liegen geblieben, ehe er seine Bestimmung erreichte; und ehe er ankam, war Tom schon in den fernen Sümpfen des Red River verschwunden.
Mrs. Shelby las die Nachricht mit dem tiefsten Kummer; aber irgend ein unmittelbares Handeln darauf hin war eine Unmöglichkeit. Sie war damals am Krankenlager ihres Gatten beschäftigt, der in der heftigsten Phantasie einer Fieberkrisis lag. Der junge Master, Georg Shelby, der indessen aus einem Knaben ein großer, junger Mann geworden war, stand ihr als beständiger und treuer Gehülfe zur Seite, und war ihre einzige Stütze in der Leitung der Angelegenheiten seines Vaters. Miß Ophelie hatte die Vorsicht gebraucht, den Namen des Anwalts zu melden, der die Geschäfte der St. Clares betrieb; und das Einzige, was in dieser Angelegenheit gethan werden konnte, war, schriftlich bei ihm anzufragen. Der plötzliche Tod Mr. Shelby's wenige Tage nachher hatte natürlich eine Menge dringender Geschäfte zur Folge, die alles Uebrige eine Zeit lang in den Hintergrund drängten.
Mr. Shelby hatte sein Vertrauen in die Geschicklichkeit seiner Gattin dadurch an den Tag gelegt, daß er sie zur alleinigen Vollstreckerin des letzten Willens ernannte; und so hatte sie augenblicklich eine Masse der verwickeltesten Geschäfte zu ordnen.