Diesen Augenblick trat Legree an die Thür des Schuppens, sah hinein mit verdrießlicher Miene und affektirter Gleichgültigkeit, und ging wieder fort.
»Der alte Satan!« sagte Georg in seinem Unwillen. »'s ist ein Trost zu glauben, daß der Teufel ihn dafür bald bezahlen wird.«
»O, nicht doch! — oh, das müssen Sie nicht!« sagte Tom, indem er seine Hand ergriff; »er ist ein armes, elendes Geschöpf 's ist schrecklich daran zu denken! O, wenn er nur bereuen könnte, Gott würde ihm noch immer vergeben; aber ich fürchte, er wird es niemals.«
»Ich hoffe, er wird nicht!« sagte Georg. »Ich möchte ihn nicht im Himmel sehen.«
»Still, Master Georg! das thut mir weh. Denken Sie nicht so. Er hat mir kein wirkliches Leid gethan — mir nur die Thore des Himmelreichs geöffnet; das ist Alles!«
In diesem Augenblick schwand die plötzliche Kraft, welche die Freude, seinen jungen Herrn wiederzusehen, dem Sterbenden eingeflößt hatte. Eine plötzliche Ohnmacht befiel ihn; er schloß die Augen; und jener geheimnißvolle und erhabene Wechsel kam über sein Antlitz, der das Nahen einer andern Welt verkündete.
Er begann mit langen und tiefen Zügen zu athmen; und seine breite Brust hob sich schwer und sank. Der Ausdruck seines Gesichts war der eines Ueberwinders.
»Wer — wer — wer soll uns scheiden von der Liebe Christi?« sagte er mit einer Stimme, die gegen sterbliche Schwäche ankämpfte; und sank lächelnd in den tiefen Schlaf.
Georg saß da wie von feierlichem Grauen gebannt. Der Ort schien ihm heilig zu sein; und als er die leblosen Augen schloß und sich von dem Todten erhob, erfüllte ihn nur der Gedanke — den sein schlichter, alter Freund ausgesprochen: »Was ist es doch, wenn man ein Christ ist!«
Er wendete sich um, Legree stand mürrisch hinter ihm.