Georg saß mit dem Rücken gegen Cassy gewendet, und konnte deßhalb die gespannte Aufmerksamkeit ihrer Züge nicht bemerken, während er diese Details mittheilte. Bei diesem Punkte der Erzählung berührte sie seinen Arm und sagte mit einem vor ängstlicher Spannung bleich gewordenen Gesichte: »Kennen Sie den Namen der Leute, von denen sie gekauft wurde?«

»Ein Mann Namens Simmons, glaube ich, war die Hauptperson in dem Geschäfte; wenigstens, denke ich, stand dieser Name im Verkaufsbriefe.«

»O mein Gott!« rief Cassy, und fiel bewußtlos auf den Boden der Kajüte.

Georg war im höchsten Grade überrascht, und ebenso Madame de Thoux. Obgleich keines von Beiden errathen konnte, was die Ursache ihrer Ohnmacht sei, so machten sie doch allen, in solchen Fällen gewöhnlichen, Tumult; — Georg stieß in dem Eifer seiner Menschenfreundlichkeit ein Waschbecken um und zerbrach zwei Gläser; und mehrere andere Damen, die davon gehört hatten, daß Jemand in Ohnmacht gefallen sei, drängten sich um die Thür, und hielten alle frische Luft ab, so viel sie konnten; so daß, im Ganzen genommen, Alles geschah, was nur erwartet werden konnte.

Arme Cassy! Als sie wieder zu sich kam, lehnte sie ihr Gesicht gegen die Wand und weinte und schluchzte wie ein Kind. Vielleicht weißt Du, o Mutter, woran sie dachte, vielleicht auch nicht; aber sie fühlte in dieser Stunde, daß Gott ihr gnädig gewesen sei, und daß sie ihre Tochter wieder sehen werde, — wie mehrere Monate später geschah, — als — doch wir greifen vor.


Dreiundvierzigstes Kapitel.
Ergebnisse.

Der Rest unserer Geschichte ist bald erzählt. Georg Shelby, der, wie jeder andere junge Mann an seiner Stelle, durch das Romantische des Falles und seine eigenen menschenfreundlichen Gefühle bewogen, besonderes Interesse an dieser Angelegenheit genommen hatte, sendete Cassy den Verkaufsbrief über Elisa, dessen Datum und Name mit ihrer eigenen Kenntniß der Umstände übereintraf, und also keinen Zweifel über die Identität ihres Kindes zurückließ. Es kam jetzt nur noch darauf an, die Spur der Flüchtlinge zu verfolgen.

Sie und Madame de Thoux, die auf diese Weise durch die seltsame Berührung ihrer Schicksale zusammengeführt worden waren, begaben sich sofort nach Canada, und begannen hier ihre Nachforschungen auf den Stationen, wo die zahlreichen Flüchtlinge aus der Sklaverei untergebracht werden.

In Amherstberg fanden sie den Missionär, bei dem Georg und Elisa nach ihrer ersten Ankunft in Canada ein Unterkommen gefunden hatten; und durch ihn wurden sie in den Stand gesetzt, der Familie nach Montreal zu folgen.