»Ja,« entgegnete Madame de Thoux stolz, ihren Kopf empor richtend und ihre Thränen trocknend, — »Mr. Shelby, Georg Harris ist mein Bruder!«
»Ich bin im höchsten Grade erstaunt,« sagte Georg, indem er seinen Stuhl zurückschob und Madame de Thoux betrachtete.
»Ich wurde nach dem Süden verkauft, als er noch ein Knabe war,« sagte sie, »und von einem guten, menschenfreundlichen Manne gekauft. Er nahm mich mit sich nach den westindischen Inseln, gab mir meine Freiheit und heirathete mich. Erst vor Kurzem starb er, und ich wollte nach Kentucky gehen, um zu sehen, ob ich meinen Bruder loskaufen könne.«
»Ich habe ihn von einer Schwester Emilie sprechen hören, die nach Süden verkauft wurde,« sagte Georg.
»Ja, das bin ich,« entgegnete Madame de Thoux. — »Bitte, sagen Sie mir, was für ein —«
»Ein sehr hübscher, junger Mann,« erwiederte Georg, »ungeachtet des Fluches der Sklaverei, der auf ihm lastete. Er erwarb sich stets in Bezug auf Intelligenz und Grundsätze die besten Zeugnisse. Ich kenne ihn deßhalb,« fügte er hinzu, »weil er in unsere Familie geheirathet hat.«
»Was für ein Mädchen?« fragte Madame de Thoux eifrig.
»Einen wahren Schatz,« entgegnete Georg; — »ein schönes, kluges, liebenswürdiges und sehr frommes Mädchen. Meine Mutter hatte sie fast so sorgsam auferzogen, als wenn sie ihre eigene Tochter gewesen wäre. Sie konnte lesen und schreiben, sehr schön, und sticken, und sang vortrefflich.«
»Wurde sie in Ihrem Hause geboren?« fragte Madame de Thoux.
»Nein. Mein Vater kaufte sie auf einer seiner Reisen nach New-Orleans und brachte sie meiner Mutter als Geschenk mit. Sie mochte damals acht oder neun Jahre alt sein. Vater wollte uns nie sagen, wie viel er für sie gegeben hatte; allein vor Kurzem, als wir seine alten Papiere durchsahen, fanden wir den Verkaufsbrief. Er hatte eine ungeheure Summe für sie bezahlt, ich glaube, mit Rücksicht auf ihre ungewöhnliche Schönheit.«