»Eine Schulanstalt errichten! Wolltest Du ihnen nicht auch lehren, auf dem Piano zu spielen und auf Sammet zu malen?«

»Ich würde ihnen lehren, ihre Bibel selbst zu lesen, und ihre Briefe selbst zu schreiben, und Briefe, die an sie geschrieben worden sind, selbst zu lesen,« sagte Eva ruhig. »Ich weiß, Mamma, es ist recht schlimm für sie, daß sie so etwas nicht selbst thun können. Tom fühlt es, — Mammy fühlt es, — und viele Andere fühlen es. Ich denke, das ist unrecht.«

»O geh, Eva, Du bist nur ein Kind! Du verstehst von allen diesen Dingen nichts,« sagte Marie; »und überdieß macht mir Dein Geschwätz Kopfschmerzen.«

Marie hatte stets Kopfschmerzen bei der Hand, sobald ihr irgend eine Unterhaltung nicht zusagte.

Eva schlich sich fort; aber von der Zeit an gab sie Mammy mit großem Eifer Leseunterricht.


Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Henrique.

Um diese Zeit brachte St. Clare's Bruder, Alfred, mit seinem ältesten Sohne, einem Knaben von etwa zwölf Jahren, ein paar Tage bei der Familie am See zu.

Es konnte keinen seltsameren und zugleich schöneren Anblick geben, als diese beiden Zwillingsbrüder. Die Natur hatte, statt zwischen ihnen Aehnlichkeiten zu schaffen, sie zu Gegenstücken in fast jeder Beziehung gemacht; und dennoch vereinigte sie auf geheimnißvolle Weise das Band einer mehr als gewöhnlichen brüderlichen Zuneigung.