»Aber sie hat des Nachts auch so starken Schweiß.«

»So, — habe ich denn den nicht schon seit zehn Jahren? Fast Nacht für Nacht ist meine Wäsche zum Ausringen naß, und das Bettzeug so feucht, daß Mammy es aufhängen muß, um es zu trocknen! Eva's Schweiß ist doch damit nicht zu vergleichen!«

Miß Ophelia sagte eine Zeit lang gar nichts mehr, allein, als Eva endlich bettlägerig geworden und ein Arzt herbeigerufen worden war, nahm Marie plötzlich eine andere Wendung.

»Sie habe es gewußt,« sagte sie, »sie habe es immer gefühlt, daß sie bestimmt sei, die unglücklichste aller Mütter zu sein. Da liege sie nun mit ihrer leidenden Gesundheit, und müsse ihr einziges Kind, ihren Liebling vor ihren Augen zu Grabe gehen sehen.«

»Meine liebe Marie,« pflegte dann St. Clare zu sagen, »sprich nicht so! Du solltest an ihrem Zustande nicht gleich ganz verzweifeln.«

»O Du hast nicht die Empfindungen einer Mutter, St. Clare! Du hast mich nie verstehen können! — und jetzt am allerwenigsten!«

»Aber sprich doch nur nicht so, als wenn alle Hoffnung verloren wäre!«

»Ich kann die Sache nicht so leicht nehmen, wie Du, St. Clare. Wenn Du es nicht fühlst, wenn Dein Kind in einem so hoffnungslosen Zustande ist, — ich fühle es! Der Schlag ist für mich zu hart, mit alle dem, was ich vorher schon gelitten habe.«

»Es ist wahr,« entgegnete St. Clare, »daß Eva von Natur sehr schwächlich ist, und daß ihre Kräfte durch zu schnelles Wachsen in hohem Grade erschöpft sind, und daß ihr Zustand sehr bedenklich ist; allein gerade jetzt ist sie nur durch die Hitze der Jahreszeit auf's Bett geworfen worden, wozu die Aufregung und die Anstrengungen beigetragen haben, die durch den Besuch ihres jungen Cousin verursacht worden sind. Der Arzt sagt, es sei noch nicht alle Hoffnung verloren.«

»Gut, natürlich, wenn Du die Sache noch aus einem günstigen Lichte betrachten kannst, so thue es; — es ist eine Wohlthat in dieser Welt, wenn die Menschen keine tiefen Gefühle haben. Ich wollte, ich hätte auch keine, denn sie machen mich nur noch elender! — Ich wünschte, ich könnte eben so sorglos darüber sein wie Ihr andern alle!«