Eva trippelte die Stufen der Veranda hinauf zu ihrem Vater. Es war spät am Nachmittage, und die Strahlen der Sonne bildeten eine Art Glorie hinter ihr, während sie sich ihm nahte in ihrer weißen Kleidung, mit dem goldenen Haar, den glühenden Wangen und den vom langsamen Fieber, das in ihren Adern brannte, unnatürlich glänzenden Augen.
St. Clare hatte sie gerufen, um ihr eine kleine Statue zu zeigen, die er für sie gekauft hatte; aber ihre Erscheinung, als sie sich näherte, ergriff ihn plötzlich auf schmerzhafte Weise. Es gibt eine Art hinreißender, aber so gebrechlicher Schönheit, daß wir sie kaum zu betrachten vermögen. Ihr Vater drückte sie heftig in seine Arme, und vergaß beinahe, was er ihr hatte sagen wollen.
»Eva, mein liebes Kind, Du bist jetzt besser, — nicht wahr?«
»Papa,« sagte Eva mit plötzlicher Festigkeit, — »ich habe Dir Etwas sagen wollen — schon seit langer Zeit. Ich will es Dir jetzt sagen, ehe ich noch schwächer werde.«
St. Clare zitterte, während Eva sich auf seinen Schooß setzte. Sie legte ihren Kopf an seinen Busen und sagte:
»Es nützt nichts, Papa, daß ich es noch länger bei mir behalte. Die Zeit naht, wo ich Dich verlassen muß. Ich gehe und kehre nie wieder!« sagte sie schluchzend.
»O nein, meine liebe kleine Eva!« sagte ihr Vater bebend, während er sprach, aber einen heitern Ton annehmend, »Du bist angegriffen und niedergeschlagen, aber Du mußt Dich nicht so düsteren Gedanken hingeben. Sieh' hier, ich habe eine kleine Statue für Dich gekauft!«
»Nein, Papa,« entgegnete Eva, sie sanft bei Seite schiebend, — »täusche Dich nicht selbst! Ich bin nicht besser, ich fühle das recht wohl, — und ich gehe bald. Ich bin nicht angegriffen, — ich bin nicht niedergeschlagen. Wenn es nicht Deinethalben wäre, Papa, und um meiner Freunde willen, so wäre ich ganz glücklich. Ich gehe gern, — ich sehne mich danach!«
»Wie, Kind, was hat denn Dein armes kleines Herz so traurig gemacht? Du hast Alles gehabt, was möglich war, um Dich glücklich zu machen.«
»Ich möchte lieber im Himmel sein, obgleich ich um meiner Freunde willen gern lebte. Es gibt hier so viele Dinge, die mich traurig machen, die mir schrecklich erscheinen; — deßhalb möchte ich lieber dort sein, — aber ich verlasse Dich nicht gern, — es bricht mir beinahe das Herz.«