»Still, still, mein Liebling,« sagte St. Clare beruhigend: »beunruhige Dich nur nicht so sehr, und sprich mir nicht von sterben, und ich will Alles thun, was Du willst.«
»Und versprich mir, lieber Vater, daß Tom seine Freiheit haben soll, sobald« — sie hielt inne und fügte zaudernd hinzu — »ich nicht mehr da bin!«
»Ja, mein Kind, ich will Alles — Alles in der Welt thun, um was Du mich bittest.«
»Mein lieber Vater,« sagte dann das Kind, indem es seine brennende Wange an die seinige legte, »wie sehr wünschte ich, daß wir zusammen gehen könnten!«
»Wohin, mein Liebling?« fragte St. Clare.
»Nach der Heimath unseres Erlösers; — da ist Alles so schön, so friedlich, — so liebreich!« Das Kind sprach unbewußt wie von einem Platze, wo es oft gewesen war. »Willst Du nicht mit gehen, Papa?« fügte sie hinzu.
St. Clare drückte sie fester an sich, aber schwieg.
»Du wirst zu mir kommen,« sagte das Kind in einem Tone ruhiger Bestimmtheit, in welchem es oft unbewußt sprach.
»Ich folge Dir, — ich werde Dich nicht vergessen.«
Die Schatten dieses feierlichen Abends legten sich dichter und dichter um sie, während St. Clare schweigend da saß und die kleine gebrechliche Körperform an seinem Busen hielt. Er sah nicht mehr die tiefen Augen, aber ihre Stimme berührte ihn wie eine Geisterstimme, und sein ganzes vergangenes Leben stieg in einem Augenblick vor seinen Augen auf, als sollte darüber Gericht gehalten werden: Die Gebete und Hymnen seiner Mutter; sein eignes früheres Sehnen und Streben nach dem Guten; und zwischen jener Zeit und der gegenwärtigen Stunde Jahre von Weltlichkeit, Ungläubigkeit und was die Menschen anständiges Leben nennen. Wir können viel, sehr viel in einem Augenblicke denken. St. Clare sah und dachte viel, aber sagte nichts. Und als es dunkler wurde, trug er sein Kind in das Schlafzimmer; und nachdem es zur Nachtruhe vorbereitet worden war, sandte er die Dienstboten hinweg und wiegte es in seinen Armen, und sang es ein, bis es entschlummert war.