»Die Sache ist die, daß ich mich nicht länger mit dem Kinde plagen kann. Es geht mit ihr über alle Grenzen der Geduld hinaus; Fleisch und Blut kann es nicht ertragen! Hier, ich schloß sie ein und gab ihr eine Hymne zu lernen; und was thut sie statt dessen? — spionirt aus, wo ich meinen Schlüssel hingethan habe, geht an mein Büreau, und nimmt einen Hutbesatz heraus, und schneidet ihn in Stücke, um Puppenjacken daraus zu machen! Ich habe nie in meinem Leben etwas Aehnliches von einem Kinde gesehen!«

»Ich sagte Ihnen vorher, Cousine,« bemerkte Marie; »daß diese Geschöpfe nicht ohne Strenge aufgezogen werden können. Wenn ich jetzt meinem Willen folgen könnte,« fügte sie hinzu, indem sie vorwurfsvoll auf St. Clare blickte, »so würde ich das Kind fortschicken, und es gründlich auspeitschen lassen, — so lange, bis es nicht mehr stehen könnte.«

»Ich hege keine Zweifel darüber,« sagte St. Clare. »Das ist zarte Weiblichkeit! Ich habe in meinem ganzen Leben nicht mehr als höchstens ein Dutzend Frauenzimmer kennen gelernt, die nicht ein Pferd oder einen Sklaven halb umbringen würden, wenn sie mit ihnen verfahren könnten, wie sie wollten!«

»Deine nichtssagende Behandlungsweise, St. Clare, ist von gar keinem Nutzen,« erwiederte Marie. »Cousine ist ein verständiges Frauenzimmer, und sieht es jetzt eben so deutlich ein, wie ich.«

Miß Ophelia konnte genau zu einem solchen Grade von Unwillen und Aufregung gebracht werden, der bei einer Hausfrau, die ihren Geschäften mit Leib und Seele vorsteht, natürlich ist, und dieser Grad war durch die Arglist und Unart des Kindes vollständig erregt worden; allein Mariens Worte gingen noch viel weiter, und dämpften deshalb Ophelias Hitze.

»Ich möchte das Kind um Alles in der Welt nicht so behandeln lassen,« sagte sie; »aber gewiß ist, Augustin, ich weiß nicht mehr, was ich mit ihr machen soll. Ich habe gelehrt und gelehrt; ich habe ihr Vorstellungen gemacht, bis ich des Redens müde war; ich habe sie gezüchtigt, ich habe sie gestraft auf jede nur denkbare Weise, — und dennoch ist sie nicht ein Haar breit anders, als sie von Anfang an gewesen ist.«

»Komm' hierher, Tops, Du Affe!« sagte St. Clare, das Kind zu sich rufend.

Topsy näherte sich ihm. Ihre grellen, runden Augen glänzten und funkelten von einer Mischung von Furcht und ihrer gewöhnlichen Schalkhaftigkeit.

»Warum beträgst Du Dich so?« sagte St. Clare, der sich über den sonderbaren Gesichtsausdruck des Kindes kaum des Lachens enthalten konnte.