Gleichwohl zeigte sich auf dem Gesichte nichts Geisterhaftes, Todtenähnliches, sondern nur ein hoher, beinahe erhabener Ausdruck, — die überschattende Gegenwart geistiger Naturen, der Tagesanbruch eines unsterblichen Lebens in dieser kindlichen Seele.
St. Clare und Ophelia standen so still und betrachteten das Kind so schweigend, daß selbst der Pendelschlag der Uhr zu laut zu sein schien. In wenigen Minuten kehrte Tom mit dem Arzte zurück. Letzterer trat ein, warf einen Blick auf das Kind, und blieb schweigend wie die Uebrigen stehen.
»Wann trat diese Veränderung ein?« sagte er flüsternd zu Ophelien.
»Ungefähr um Mitternacht,« war die Antwort.
Jetzt erschien aus dem nächsten Zimmer Marie in größter Eile, die durch die Ankunft des Arztes erweckt worden war.
»Augustin! Cousine! — O! — was« — begann sie in hastigem Tone.
»Still!« sagte St. Clare mit rauher Stimme, — »sie stirbt!«
Mammy hatte diese Worte gehört und eilte davon, um die Dienstboten zu erwecken. Das ganze Haus war bald munter, — Lichter wurden gesehen, Fußtritte gehört, ängstliche Gesichter drängten sich in die Veranda, und blickten mit thränenvollen Augen durch die Glasthüren; aber St. Clare hörte und sah nichts, — er sah nur den Ausdruck im Gesichte der kleinen Schläferin.
»O, wenn sie nur noch einmal aufwachen und sprechen wollte!« sagte er, und sich über sie niederbeugend, flüsterte er in ihr Ohr: »Eva, Liebling!«