»O gewiß, Missis,« sagte Mammy, »Master St. Clare wird wie ein Schatten; — er ißt gar nichts. Ich weiß, er kann Miß Eva nicht vergessen; — ich weiß, Keiner kann's, — das liebe, kleine, segensreiche Wesen!« fügte sie, ihre Augen trocknend, hinzu.
»Wohl, auf alle Fälle hat er kein Gefühl für mich,« sagte Marie; »er hat mir noch kein theilnehmendes Wort gesagt, und er muß doch wissen, wie viel tiefer so etwas eine Mutter empfindet, als es ein Mann kann.«
»Jedes Herz kennt seinen eignen Schmerz!« sagte Ophelia sehr ernst.
»Das ist es grade, was ich denke. Ich weiß, was ich empfinde, — und Niemand Anderes scheint es zu ahnen. Nur Eva konnte es, aber sie ist hin!« sagte Marie, und legte sich auf ihr Sopha zurück, und begann heftig zu schluchzen.
Während diese Unterhaltung in Marien's Wohnzimmer Statt fand, wurde eine andre in St. Clare's Arbeitszimmer gepflogen.
Tom, der seinem Herrn überall unruhig folgte, hatte ihn mehrere Stunden zuvor in sein Arbeitszimmer gehen sehen, und beschloß endlich, nachdem er vergeblich darauf gewartet hatte, ihn wieder herauskommen zu sehen, unter irgend einem Vorwande hinein zu gehen. Er trat leise ein. St. Clare lag auf dem Sopha, am anderen Ende des Zimmers, auf dem Gesichte, Eva's Bibel aufgeschlagen in der Hand haltend. Tom näherte sich ihm, und blieb am Sopha stehen. Er zauderte, und während dessen richtete sich St. Clare plötzlich auf. Das ehrliche Gesicht, auf dem sich der Ausdruck tiefsten Schmerzes und flehenden Mitgefühls zeigte, rührte St. Clare. Er legte seine Hand auf Tom's Hand, und neigte seine Stirn darauf nieder.
»O, Tom, mein Junge, die Welt ist leer, wie eine Eierschale.«
»Ich weiß, Master, — ich weiß,« sagte Tom; »aber, o! wenn Master nur da hinauf blicken könnte, — hinauf, wo unsere liebe Miß Eva ist, — auf zum lieben Herrn Jesus!«
»Ach, Tom! ich sehe hinauf; aber das Unglück ist, ich sehe nichts, wenn ich es thue. Ich wollte, ich könnte etwas sehen.«