»Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.«

St. Clare las mit erhobener Stimme, bis er an den letzten Vers kam:

»Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Linken: ›Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet.‹ Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: ›Herr, wann haben wir Dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und wir haben Dir nicht gedienet?‹ Dann wird er ihnen antworten und sagen: ›Wahrlich, ich sage Euch: Was ihr nicht gethan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan.‹«

St. Clare schien von dem letzteren Theile der Stelle tief ergriffen zu sein, denn er las sie zweimal, — das zweite Mal langsam, als wenn er die Worte im Geiste überdächte.

»Tom,« sagte er, »die Menschen, die mit so strengen Maßregeln bedroht werden, scheinen gerade das gethan zu haben, was ich gethan habe, — ein behagliches, angenehmes Leben geführt, und sich nicht darum bekümmert, wie viele von ihren Mitbrüdern hungrig, durstig, krank oder gefangen seien.«

Tom antwortete nicht.

St. Clare stand auf und schritt gedankenvoll in der Veranda auf und ab, alles Andere über seine eignen Gedanken so sehr vergessend, daß ihn Tom zweimal daran erinnern mußte, daß die Glocke zum Thee gezogen worden sei, ehe er seine Aufmerksamkeit erwecken konnte.

St. Clare blieb während des Thee's abwesend und gedankenvoll. Nach demselben nahmen er und Marie und Miß Ophelia von dem Wohnzimmer beinahe schweigend Besitz. Marie legte sich auf einen Sopha, unter einer seidenen Moskitodecke, und war bald entschlafen. Miß Ophelia beschäftigte sich schweigend mit ihrem Strickzeuge, und St. Clare setzte sich am Piano nieder, und begann eine sanfte, melancholische Weise zu spielen. Er schien in tiefe Träumereien versunken zu sein, und durch die Musik mit sich selbst zu reden. Nach einer kurzen Pause öffnete er einen Kasten, und nahm ein altes Notenbuch hervor, dessen Blätter bereits gelb geworden waren, und schlug es auf.