»Ich weiß, es ist so, Cousin,« entgegnete Miß Ophelia, — »ich weiß, es war mir selbst so, bis ich es für meine Pflicht hielt, das Gefühl zu unterdrücken; aber ich hoffe, ich habe es unterdrückt, und ich weiß, daß es im Norden viele gute Menschen gibt, die über diesen Gegenstand nur belehrt zu werden brauchen, um ihre Pflicht zu erkennen und zu erfüllen. Es würde jedenfalls eine größere Selbstverläugnung sein, Heiden unter uns aufzunehmen, als ihnen Missionäre zuzusenden; aber ich glaube, wir würden es thun.«

»Du würdest es thun, das weiß ich!« sagte St. Clare. »Ich möchte wissen, was Du nicht thun würdest, sobald Du es für Deine Pflicht hieltest!«

»Ich bin nicht so außerordentlich gut,« entgegnete Miß Ophelia. »Andere würden es eben so wohl thun, wenn sie die Sachen so ansähen wie ich. Wenn ich nach Hause reise, soll Topsy mit mir gehen. Ich glaube gern, unsere Leute werden sich anfangs wundern; aber sie werden bald dahin gelangen, die Sache eben so zu betrachten wie ich. Ueberdieß weiß ich, daß es Viele im Norden gibt, die grade das thun, was Du sagst.«

»Ja, aber es ist nur die Minorität; und wenn wir jemals anfangen sollten, zu emancipiren, so würden wir bald von Dir hören.«

Miß Ophelia antwortete nicht. Es herrschte einige Augenblicke lang eine Pause, und St. Clare's Gesicht hatte einen melancholischen, träumerischen Ausdruck angenommen.

»Ich weiß nicht, was mich heut Abend so unaufhörlich an meine Mutter erinnert,« sagte er. »Ich habe ein sonderbares Gefühl, als ob sie mir nahe wäre; und ich denke fortwährend an Dinge, die sie mir gesagt hat. Woher kommt es nur, daß zuweilen vergangene Zeiten so lebhaft vor unsere Erinnerung geführt werden?«

Mehrere Minuten lang schritt St. Clare im Zimmer auf und ab, und sagte dann:

»Ich will einige Augenblicke die Straße hinauf gehen, und hören, was für Neuigkeiten es gibt.«

Er nahm seinen Hut und ging hinaus.