Und drin in der Kammer der Resi streckte sich die Euphrosyne recht behaglich unter das dicke Federbett. Sie hatte sich ohne Wissen der Brüder für ein paar Nächte bei der Resi einquartiert. „Weisch, i han au so ängstliche Träum in der letzte Zit, un do möcht mer doch gern e lebigi Seel um si habe,“ hatte sie der Resi als Vorwand gesagt. Sie hatte das Knarren der Diele und das Flüstern der Brüder gehört und ihre Schlüsse draus gezogen. Sie wußte, daß sie jetzt auf dem Hof bleiben konnte bis zu ihrem Sterbestündlein, und ein guter Platz im Himmel war ihr auch sicher, wo doch der liebe Gott den schönen Hof bekam. Eine große Kerze gelobte sie noch der lieben Mutter Gottes, die ihren Plan, ohne Unfrieden das fremde Mädel fortzukriegen, hatte gelingen lassen. Und der Resi sollte auch nichts passieren. Sie hatte sich das schon zurecht gelegt. Am Morgen wollte sie sich mit ihr aufs Bernerwägeli setzen und zur Bas über den Berg fahren; die suchte eine Hilfe, bei ihrer Gicht konnte sie so schon lang ’s Vieh nicht mehr ordentlich besorgen. Daß die Resi gleich dort blieb, das wollte sie schon einrichten. Dann schlief die ehr- und tugendsame Jungfrau Euphrosyne befriedigt ein, und so gut und traumlos hatte sie schon seit Monaten nicht mehr geschlafen wie diese Nacht. Das ruhige Gewissen und das gute Einvernehmen mit dem lieben Gott und seinen Dienern auf Erden verlor sie nicht bis sie achtundsiebzigjährig als letzte der drei Geschwister selig verstarb.
Und der Pfarrer hielt ihr eine so erbauliche Grabrede, daß das ganze Dorf Rupertsweiler einsehen mußte, wie sehr es im Unrecht gewesen war mit seiner Abneigung und wie wohl verdient die Inschrift auf dem Grabstein war:
Hier ruht
bei ihrem Heiland
die ehr- und tugendsame Jungfrau
Euphrosyne Platner.
Sie lebte ohne Lug und Fehl,
Und gut geht’s ihrer armen Seel;
Auch weil sie all ihr Gut und Hab
Dem lieben Gott zu eigen gab.