Am Mittag ist lustige Tafel im ‚Schwan‘. Die Husaren haben ihre Extrauniform angezogen. Die Gesichter glänzen, als sie an die gedeckten Tische treten, denn sie sind hungrig. Der Oberkellner hat Frau Hiller zu einem Tisch geführt, an dem schon ein Elternpaar mit einem Husaren sitzt. Man ist im Augenblick befreundet, und die beiden jungen Freiwilligen rücken mit Kasernenwitzen heraus. Die Unterhaltung geht im ganzen Saal von Tisch zu Tisch. Es wird sehr lustig. Die Eltern lassen Sekt auffahren. Es ist ein Freuden-, ein Ehrentag heute; die Jugend, die in ein paar Wochen für Deutschlands Ehre kämpfen will, muß gefeiert werden. Sie läßt sich’s gern gefallen.

Der kleine Hiller hat heute nichts vom Philosophen an sich. Glücklicher und lebensfroher können keine Augen strahlen, als die seinen es tun. Hipp kommt nach dem Dessert mit seinem Vater, dem reichen Fabrikanten, an den Tisch und setzt sich neben Hiller.

Die beiden lachen und schwatzen miteinander, und Frau Hiller muß an den Abend am Pappelweg denken, an dem ihr Ernst so schwermütig und ablehnend über die Welt und auch über Hipp geurteilt hat. Heute weiß er nichts mehr davon. Heute ist er Hipps Kamerad — heute ist er Soldat und nichts weiter.

Die Mutter ersehnt den Augenblick, an dem sie den Jungen für sich haben wird. Sie denkt an den Konfirmationstag zurück. Diesem Tag waren eine ganze Zahl schwerer Wochen voraufgegangen, denn der junge Philosoph hatte Gewissensnöte gehabt. Er wollte nicht an den Tisch des Herrn treten, denn sein Verstand lehnte sich gegen das Gelübde des Glaubens, das er ablegen sollte, auf.

Die Großmutter, die auf Ordnung hielt, hatte ihn damals zur Vernunft gebracht. Aber den ganzen, schweren Tag über hatte der Junge damals auf den Augenblick gewartet, an dem er die Mutter für sich haben würde, und die Mutter hatte aus einer unbestimmten Angst vor diesem Alleinsein die Großmutter nicht von ihrer Seite gelassen. Heute tritt das Umgekehrte ein. Heute ersehnt sie die stille Stunde einer Aussprache, und der Junge weicht ihr aus.

Sie wollen alle zum Photographen; sie müssen natürlich eine Erinnerung an diesen Tag haben. Und um fünf Uhr müssen sie zur Pferdetränke in der Kaserne sein. Am Abend aber hat Hiller auf Wache zu ziehen.

Keine Minute also für die Mutter, und das ist gut. Er will Mann sein; er will stark und lustig sein! Der Mutter tut das Herz weh, das weiß er. Aber sie soll es ihm nicht sagen. Es nutzt ja nichts. Hinaus will er und muß er. Wozu da noch Worte und Tränen?

Der Sekt schmeckt ihm; der reiche Fabrikant hat noch eine Flasche bestellt und gießt ein. Die Stimmung wird übermütig. Im Saal ist’s heiß; sie haben gut gegessen — nun trinken sie und rauchen gute Zigarren. In den Hof des Hotels zieht eine Musikerbande. Orgel, Pfeife und Klarinette:

„Die Vöglein im Walde, sie singen

so wunder-wunderschön: