Alle Mütter in der ganzen Welt, die ihre Söhne dahingeben — müssen sich verbunden fühlen in dieser Zeit — — — die höchste und die niederste müssen sich lieben, denn was ist Rang und Geld und Würde neben diesem bitterheißen, gewaltigen, heiligen Schmerz, den sie alle, alle durchkosten müssen?

Der kleine Hiller sucht die Blicke der Mutter und nickt ihr ernst und kindlich stolz zu. Viel warmes Leben, viel Freude ist in diesem Blick. Sie staunt darüber, aber sie fühlt, wie das Blut ihr wieder wärmer zum Herzen strömt.

Die Orgel spielt lauter — das Haus wird erfüllt von den mächtigen Klängen. Das Gefühl des Unheimlichen, das Gefühl des Schauerns ist vorüber. Helleres Licht bricht durch die Fenster — die Seele wird emporgetragen.

Vor ein paar Augenblicken, als die jungen Menschen die schwer feierlichen Worte sprachen, waren die armen Seelen in einem dunklen Raum gewesen. Eine jede Mutter mochte da wohl ihren Sohn schon verloren gegeben haben. Nun aber erhält sie ihn wieder. Der Pfarrer steht auf der Kanzel; er spricht die einzelnen Strophen des wundervollen Liedes: ‚Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten!‘ Und die Orgel jauchzt — die Stimmen setzen ein und schwellen an — keine Mutter schluchzt jetzt mehr; kein Herz ist mehr dunkel und verzagt.

„Herr, mach’ uns frei!“ braust es durchs Gotteshaus.Herr, mach’ uns frei!“ Und die Wände werfen es zurück — die Orgel spielt ein hohes Feierlied. Alle Herzen sind frei geworden; alle bangen Herzen sind stolz und froh geworden.

Der Pfarrer ist wieder vor den Altar getreten; er breitet die Hände aus:

„Der Herr segne und beschütze dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir! Der Herr gebe dir seinen Frieden. Amen!“

Die Husaren verlassen reihenweise die Bänke und versammeln sich um ihre Führer; die aus den Seitenschiffen strömen dem Ausgang zu. Draußen auf dem Platz vor der Kirche sehen sie sich wieder.

Das Unwetter hat ausgetobt — — durch die grünen Kastaniendächer bricht leise die Sonne durch.

Die Mütter möchten zu ihren Söhnen eilen und sie ans Herz drücken; aber die stehen in Reih’ und Glied, und der Offizier hält eine Ansprache an sie — eine kurze, knappe, begeisterte Ansprache, die in einem Kaiserhoch endet. Die Unteroffiziere kommandieren, die Husaren schwenken in Reihen ab — kehren zur Kaserne zurück. —