Ach, ein Kind geht gar leichten Herzens von der Mutter fort — das weiß sie ja noch von sich selbst.

Sie bringt den Uniformrock ins Nebenzimmer, um nur einen Augenblick allein zu sein, denn die Tränen liegen ihr schwer auf der Brust, und sie mag ihm nicht zeigen, wie schwach sie ist.

Am Nachmittag steht sie und reibt an der sehr verbrauchten Uniform. Die Tressen sind verschabt, und das Tuch ist ganz ohne Glanz. Sie reibt alles, so gut es geht, und leert dann die Taschen aus, um das Futter zu waschen.

Was so ein Junge nicht alles in der Tasche trägt: Loses Geld und Bleistifte — Notizbücher und Zigaretten — Heftpflaster und Schokolade — drei, vier Taschentücher, die man nur behutsam zwischen zwei Fingern anfassen kann, denn hier dienen die Taschentücher augenscheinlich vielen Zwecken, sonst wäre die tiefgraue Färbung nicht erklärlich. Dann noch ein paar beschriebene Zettel, wovon einer auf die Erde fliegt, und als Frau Hiller ihn aufhebt, sieht sie, daß Verse darauf geschrieben sind, Verse, in denen Worte, in denen ganze Zeilen ausgestrichen und von neuem geschrieben sind. So pflegt ein Anfänger eigene Dichtungen aufzukritzeln.

Frau Hillers Neugierde erwacht und sie liest und liest immer wieder:

„Kalt ist die Nacht,

Ich bin allein,

Ich steh’ auf Wacht

Ich denke dein!