Die Großmutter warf ein: „Meine Herren, das sind doch alles Gemeinplätze, über die eine Debatte nicht lohnt! Reden wir doch lieber von dem, was der Tag gebracht hat. Also die Russen sind einmal wieder im Land!“

„Im Anmarsch auf Berlin!“ sagte der Rat Mertens schwer.

Maria wandte sich etwas ängstlich an den Hauptmann Prell: „Ist das wahr, sind die Russen wirklich im Anmarsch auf Berlin?“

Der Hauptmann lächelte: „Wenn es nach dem dicken Rat Mertens ginge, stände unsere Hauptstadt längst in Flammen. Sind Sie sehr ängstlich, gnädige Frau?“

„Nicht für mich, aber all der Jammer, der jetzt in der ganzen Welt ist, macht so schwach und elend.“

„Und es wird doch gerade jetzt so viel von der starken deutschen Frau gesprochen und gesungen.“

„Dazu gehöre ich nicht,“ sagte Maria und neigte den Kopf.

„Das ist schön, das ist gut, daß Sie das eingestehen. Wenn Sie stark sein müssen, dann können Sie es auch sein und Sie sind es doch schon im hohen Maße gewesen, ich habe einen Beweis dafür!“

„So?“

„Nun, zum Beispiel, daß Sie sich in all den Jahren dem Willen der Frau Schwiegermutter nicht untergeordnet haben. Das heißt doch was, gegen den Willen einer so praktischen, energischen Frau anzukämpfen. Sie hat mir vieles von Ihnen erzählt und kann es Ihnen heute noch nicht verzeihen, daß Sie nicht mit dem Jungen zu ihr gezogen sind, und daß Sie nicht wieder heirateten. Das nenne ich doch Stärke, denn solch ein Widerstand bedeutet doch alles andere als Schwäche!“