„Aber es tut uns wenigstens wohl!“

Über das Gesicht des invaliden Hauptmanns flog ein sarkastisches Lächeln.

„Man muß nicht alles so allgemein nehmen; man muß auch bei seinem Feinde die Motive suchen.“

„Teufel, ja,“ sagte der Rat, „die liegen doch bei England klar genug.“

Großmutter warf ein: „Nicht wieder die alten Sachen durchkauen, meine Herren! Jedes Kind weiß, daß England gemein an uns handelt; jedes Kind sagt ‚Pfui!‘, wenn es von England spricht. Ich sage auch ‚Pfui!‘ und habe gern in das Pereat auf das edle Britenreich miteingestimmt, aber damit wollen wir es auch für heute bewenden lassen. Sind Sie einverstanden, Rat?“

„Mir war es nur, als habe unser Hauptmann Prell etwas andere Ansichten über unsere englischen Feinde!“ meinte Mertens gereizt. „Wie meinen Sie das, Herr Hauptmann, wenn Sie sagten, man müsse über die Beweggründe jedes Landes nachdenken? Frankreich und Rußland verstehe ich — ganz besonders Frankreich — aber England hatte keinen Grund zu diesem namenlosen Haß. Bei England ist die Triebfeder zu diesem Krieg nichts als kalte, gemeine Habgier!“

„Das ist in diesen Tagen tausend- und abertausendmal bestätigt worden,“ sagte Prell kühl.

„Nun also, warum betonten Sie denn, man müsse über Englands Beweggründe nachdenken?“

„Ich habe nicht behauptet: über Englands Beweggründe, sondern über jedes einzelnen Landes Beweggründe. Stellen Sie sich mal vor, es wären zehn Jahre vergangen, und man verlangte von Ihnen, daß Sie die Geschichte dieses Krieges schrieben. Würden Sie da auch nur so einfach von Englands Perfidie sprechen? Man muß sich doch auch fragen, was England von uns zu fürchten hätte, wenn unsere Industrie und unser Handel weiter in dem Maße aufblühen, wie sie es bisher getan. Heute noch ist England der Großkaufmann und der Bankier der ganzen Welt. Aber es fühlt, daß Deutschland ihm zu mächtig wird. Es fürchtet ganz einfach Deutschlands immer weiteres Emporsteigen.“

Der Großvater sagte bedächtig: „Nein, meine Herren, das ist es nicht. Es ist einzig unser Militarismus, den sie mit scheelen Augen ansehen.“