Draußen sagt sie zur Müller: „Morgen früh müssen Sie ganz leise sein beim Reinemachen, Müller. Sie soll sich ausschlafen, denn sie ist doch sehr mitgenommen.“

Im Zimmer aber muß sie den Kopf an Großvaters Schulter legen; ihr Herz ist sehr schwach geworden, und sie weint bitterlich. Großvater streichelt und tröstet sie, aber auch er ist sehr niedergeschlagen. Er liebt den Enkel, wiewohl es gar nicht sein richtiger Enkel ist; er liebt ihn seines guten treuen Wesens wegen und liebt ihn ganz besonders, weil er trotz des zarten Körpers standgehalten hat und nun stark genug ist, um gegen Deutschlands Feinde zu ziehen.

Er streichelt das Gesicht der alten, weinenden Großmutter und sagt mit zitternder Stimme: „Nicht weinen! Der Junge steht in Gottes Hand!“


Verlag von Egon Fleischel & Co. / Berlin W 9

Die Werke von
Helene von Mühlau

Nach dem dritten Kind

Aus dem Tagebuch einer Offiziersfrau

Preis: geh. M. 3,—; geb. M. 4,—

Fedor von Zobeltitz in einem Feuilleton der Hamburger Nachrichten: ... Ich wünsche diesem Werke weiteste Verbreitung: „Nicht nur, weil es grausame Wahrheit in eine Sprache schlichter Empfindung kleidet, sondern weil es ohne Aufdringlichkeit zu den Enterbten des Glückes redet, die da vermeinen, das Elend der Armut wohne nur bei ihnen, zwischen den kahlen Wänden des Proletariats. Ich glaube, daß niemand diese einfache Geschichte ohne tiefe Erschütterung lesen wird; sie ist wie ein Schrei aus tiefster Not — ein Schrei, der gehört werden müßte.“