Aus einmal fuhr man durch ein Lichtermeer — fuhr an Häusermassen vorbei — — — Berlin! Da war alles fort — — — Großmutter, Großvater, alles, was sie am langen, heißen Tag gehört und gesehen — — verschwunden.
Nur die Angst, die verzweiflungsvolle Angst: ‚Ist es noch nicht zu spät?‘
Sie hatte telegraphiert, daß sie kommen würde, aber es war nicht anzunehmen, daß er hier am Bahnhof war. Bei dieser Unsicherheit, bei dieser Verspätung!
Und stand doch da — stand dicht an der Sperre, bleich und aufgeregt, und faßte sie ums Handgelenk.
„Endlich!“
Was waren das für Augen, die sie anblickten! Abgehetzt, heiß, bang und doch herrisch!
„Komm, ich hab’ ein Auto. Komm schnell!“
„Wann mußt du fort?“
„Morgen früh vier Uhr ausrücken aus der Kaserne. Ich hab’ drei Stunden am Bahnhof gewartet. Nun mußt du mit mir fahren; lies, was noch zu besorgen ist. Keine Satteltaschen in ganz Berlin aufzutreiben! Irgendein Kerl hat sich für Geld und gute Worte breitschlagen lassen, sie mir herzustellen. Dann den Revolver abholen, — Schuster — Apotheker! Einfach nichts zu haben!“ Und dann riß er sie an sich.
„Oh, Maria, Maria, durch was für Höllen bin ich in diesen paar Tagen, in denen du fern warst und ich dich so nötig gehabt hätte, gewandelt! Was ist mir nicht alles klar geworden in diesen Tagen und Nächten! Ein Verrückter bin ich gewesen, daß ich dich so neben mir leben ließ, daß ich dich so leiden ließ! Immer die Ungewißheit in deinem Herzen: Meint er’s gut, meint er’s nicht gut? Warum war ich so, Maria, warum hab’ ich mich den allgemeinen Regeln entziehen wollen? War es Hochmut oder war es die angeborene Scheu vor jeder Fessel? Ich weiß es nicht, ich komme nicht zur Klarheit mit mir selbst. Nur das eine weiß ich, daß ich eine entsetzliche Grausamkeit an dir begangen habe.“