Nun sprach einer der Soldaten dasselbe aus, was sie schon in der Bahnhofshalle aus irgendeinem Munde gehört hatte:
„Ich möchte jetzt keine Frau sein. Die haben’s am allerschlimmsten. Die sitzen allein und vergrämt da und müssen abwarten, was für sie kommt! Abwarten ist das allerschlimmste!“
Sie sah ihn dankbar an.
„Jede Kugel trifft ja nicht!“ tröstete ein Soldat und gab ihr die Hand.
Der Kopf tat ihr weh — — die Unruhe stieg. Die Sonne sengte nicht mehr, ganz leise wollte der Abend heraufziehen. — Wann würde sie da sein?
Sie dachte an Großvater, der bei Großmutter im stillen Zimmer saß und ihr irgend etwas erzählte, was nicht den Tatsachen entsprach. Und sie hörte, wie Großmutter ihr altes Klagelied vorbrachte: ‚Ihre ganze Jugend hat sie verplempert, und wer weiß, ob sie nun überhaupt einen Mann findet, wo doch so viele totgeschossen werden!‘
Sie sah Großmutter in ihrer strahlenden Gesundheit unter dem Kronleuchter stehen, und Großvater kam auf sie zu und küßte sie in ehrlicher Zärtlichkeit.
Wie war das möglich, da er doch so ganz verschieden von ihr war? War er wirklich glücklich — oder täuschte er sich wissentlich über sich selbst? Ihre Gedanken schweiften ab — — ihre Gedanken suchten Halt bei der Großmutter.
Ach, auch so gesund, so selbstverständlich gesund und praktisch sein können!