„Ihr zieht aus! Ihr kämpft für uns! Gesegnete Jünglinge! Gottbegnadete Menschen, die ihr eure erste Jugend so glorreich betätigen dürft!“

Wie das weckte! Wie das emporriß! Wie so ein blasses, schüchternes Jungengesicht da Farbe und Feuer erhielt.

Alles vergessen, was noch vor Tagen der Inhalt des Lebens gewesen war — draußen, jenseits der Grenze wurden schon blutige Schlachten geschlagen — und man war noch nicht dabei, man lief noch in seinen Zivilkleidern herum und suchte, suchte, suchte!

Ernst Hiller lief mit zwei Freunden durch Berlin. Das Abiturientenzeugnis und die schriftliche Erlaubnis der Mutter, mittun zu dürfen, trug er in der Tasche.

Von Kaserne zu Kaserne liefen sie. Ganz gleichgültig, bei welchem Regiment, gleichgültig, ob zu Fuß, ob zu Pferd. Nur schnell sollte es gehen — schnell, schnell, schnell!

Aber zu Tausenden standen sie auf den Kasernenhöfen umher — Stunden und Stunden standen sie, um dann plötzlich zu hören, daß hier der Bedarf gedeckt sei.

Weiter — weiter! Und standen wieder unter Tausenden — standen in sengender Sonnenhitze, standen mit leerem Magen und spürten den Hunger nicht. Nur genommen werden — nur erst Sicherheit haben — nur nicht nach Hause müssen und sagen: „Ich habe nichts erreicht!“ — Sie dachten auch gar nicht daran, daß das gar nicht ging, daß das einfach ein Ding der Unmöglichkeit war, unter Tausenden und aber Tausenden gleich an erster Stelle herausgefischt zu werden.

Gedrückt, müd’, enttäuscht kehrte Ernst am ersten Tag zur Mutter zurück. „Morgen wollen wir um fünf Uhr früh anfangen!“ sagte er. „Nur wer gleich zu Beginn da ist, hat Aussicht, daranzukommen!“

Er aß mit abwesenden Gedanken — eine große bange Frage lag in seinen Augen.

„Laß mich noch ausgehen, Mutter! Ich halt’s nicht aus!“ Und war fort, ehe sie ihn halten konnte, ehe sie fragen konnte, wohin.