Sie haben eine gute Stunde zu marschieren. Die Hitze ist glühend; die Sonne glitzert in ihren blanken Knöpfen und spielt mit den grellgelben Tressen auf den grauen Attilas. Der trockene Boden knirscht unter ihren Füßen, aber sie gehen wie beflügelt dahin. Mit Ungeduld haben sie auf diese erste Schießübung gewartet, denn bevor sie nicht schießen gelernt, können sie natürlich nicht ins Feld. Nun endlich soll es losgehen!

Einer von den alten Leuten hatte ihnen gesagt: Zwei Wochen Schießübung — zwei Wochen Lanzenfechten und Säbelstechen, dann ist die Sache gedeichselt, dann geht’s los! Dies also ist der eigentliche Anfang; es werden noch sechs Wochen vergehen, ehe sie herauskommen! Und draußen wird ein Sieg nach dem anderen erfochten! Wenn das so weitergeht, dann hat Deutschland ausgekämpft, ehe sie aus ihrem Drill heraus sind.

Bald dehnt sich der Schießplatz vor ihren Blicken aus.

Der Wachtmeister - es ist einer, mit dem sie bislang noch nichts zu tun gehabt haben — lehrt sie in erster Linie den Karabiner richtig handhaben.

Auch er brüllt; auch er schimpft wie ein Unsinniger.

Wachtmeister müssen schimpfen und müssen beim Schimpfen einen puterroten Kopf bekommen, sonst wird’s nichts.

Der kleine Hiller hat noch so zarte Hände; für ein paar Minuten hat es den Anschein, als sollte er hier den Sündenbock abgeben, denn der Wachtmeister tobt immer im Kreise um ihn herum.

Aber es müssen wohl noch Ungeschicktere da sein, denn plötzlich ist er fort, und nun weiß Hiller auch ganz gut mit seinem Schießprügel umzugehen.

Es wird ihnen ein Vortrag gehalten:

Der Kavallerist muß in jeder Stellung schießen können. Er muß im Liegen, im Stehen und vom Pferd herabschießen können! Der Kavallerist muß überhaupt alles können, was der Infanterist kann! Das hat man ihnen nun schon oft gesagt, und sie wissen, daß sie doppelte Ausbildung haben werden. Dafür haben sie dann im Feld den Vorteil, auch dann noch kampffähig zu sein, wenn das Pferd ihnen weggeschossen wird.