Wenn auch dieser Padrikrieg viele hunderte und tausende Menschenleben gekostet hat, ohne dass die geldgierigen Priester heute um viel besser geworden wären, so haben doch die Lehren dieser Padri in der grossen Menge der Malaien des Padangschen Hochlandes kräftige Wurzeln geschlagen und es ermöglicht, dass an der Grenze der Anthropophagen die Fackel der Civilisation erhoben wurde, so dass diese heute auf eine ganz kleine Strecke an der Küste des Tobasees sich beschränken.
Im Osten der Insel Sumatra haben die Schätze des Bodens und des Urwaldes europäische Pflanzer dahin gelockt, welche mit Hülfe chinesischer, javanischer und anderer malaiischer Kräfte den Reichthum des Landes gehoben haben.
Hier im Westen muss Holland eine andere Colonial-Politik befolgen. Hier müssen europäische Förster und Ingenieure Lehrmeister der Eingeborenen werden; hier muss auch[103] durch europäische Ackerbaucolonien das reiche Land der weiten Welt eröffnet werden; hier sind Ackerbaucolonien möglich, weil ein italienischer Himmel sich über seinen Feldern und Bergen wölbt und weil ein italienisches Klima die Acclimatisation der Europäer ermöglicht.
Du kannst, denn Du willst.
Also sprach Zarathustra.
Schluss.
Wieder auf dem alten Dampfer — Die Residentie Benkulen — Katholische Missionäre — Schluss.
Den 26. August 1888 verliessen wir Padang mit demselben Dampfer, dem »General Pel«, welcher uns von Atjeh dahin gebracht hatte. Er hatte im Hafen Zeit und Gelegenheit gehabt, seine Kessel zu repariren, und so vertrauten wir wieder unser Leben und Hab und Gut beruhigt diesem alten Rumpelkasten an. Es sollte anders kommen. Den 27. hatten wir in den ersten Morgenstunden zu unserer Linken die Grenze zwischen dem »Gouvernement der Westküste Sumatras« und der Provinz Benkulen und zu unserer Rechten die Insel Nord Pageh (aus der Gruppe der Nassauinseln), als plötzlich die Schraube ihren Dienst versagte. Ich wachte durch ein ungewöhnliches Geräusch auf dem Schiffe auf und eilte aus der Cajüte, um dessen Ursache zu erfahren. Ein Flügel der Schiffsschraube war gebrochen, und, wie mir der Schiffskapitän mittheilte, musste auf hoher See die Reserve-Schraube in Dienst gebracht werden. Glücklicherweise waren wir von der Küste der Insel Sumatra und den Pageh-Inseln ([Fig. 25]) weit genug entfernt, um nicht irgendwo zu stranden und eventuell von der grossen Brandung des indischen Meeres auf irgend einen Felsen mit unserem wenig lenkbaren Schiff geschleudert zu werden. Die wenigen Segel, welche das Schiff für einen solchen Nothfall mit sich führte, wurden aufgezogen, und die kleine Brise, welche von Sumatra aus über die Wogen der ruhigen See streifte, gestattete uns, mit der Geschwindigkeit einer alten »Treckschuit«[104] vorwärts zu kommen. Noch im Laufe desselben Tages war die Reparatur vollendet, und gegen 4 Uhr Nachmittags konnte der Dampfer uns mit einer Geschwindigkeit von 11 Seemeilen (à 1852–1855 Meter), also circa 20 Km. in der Stunde, längs der Küste der Provinz Benkulen und der Insel Enganon (zu unserer Rechten) unserem Ziele — Batavia nämlich — zuführen.
Während meiner ganzen 21jährigen Dienstzeit wurde in den Zeitungen so selten von der Provinz Benkulen und von ihrer gleichnamigen Hauptstadt gesprochen, dass ich es für ein Eldorado, oder für den Inbegriff eines ruhigen, friedlichen und glücklichen Lebens halten möchte. Im Jahre 1883 wurde allerdings der südliche Theil, und zwar der Bezirk Blimbing, bis zum 5° 40′ S. B. von den stürmischen Wellen der tosenden See bis 2 Km. weit durch den Ausbruch des Vulcans Krakatau schwer heimgesucht.
Die ganze Provinz ist 443,9 ☐M., also beinahe doppelt so gross als das Königreich Württemberg, hat aber nur (im J. 1897) 158824 Einwohner, worunter sich 146 Europäer und 659 Chinesen befinden.