Nebstdem halte ich es für zweckmässig, ein Resumé aller angedeuteten und zerstreut vorkommenden Fragen der Tropenhygiene zu bringen, um dem Touristen einen hygienischen Rathgeber auf seinen Reisen in das Land des ewigen Grüns und des ewigen Sommers mitzugeben.
Ich und viele tausend Andere sind den Gefahren des Tropenklimas entronnen; das gemässigte und das kalte Klima haben wie das tropische und das subtropische Klima ihre Gefahren.
Die moderne Hygiene zeigt uns diese Gefahren und zugleich die Mittel und Wege, um ihnen zu entgehen.
Mögen also noch tausende Andere hinaus in die weite Welt ziehen, wo der Kampf um’s Dasein ein leichter ist, und an Ehren und Schätzen reich entweder in ihre Heimath zurückkehren oder weit von ihr entfernt sich der Früchte ihrer Arbeit im Schatten mächtiger Baumriesen bis an die Grenze des menschlichen Lebensalters erfreuen.
I. Eine seit zwei Monaten auf Java herrschende Epidemie von Knöchelfieber = Denguefieber.
Am 12. Januar 1901 brachte die Amsterdamer Zeitung »Het Handelsblad« das Telegramm aus Surabaya, dass dort eine Epidemie von Knöchelfieber wüthe, welche eine bedeutende Störung in dem geschäftlichen Verkehr der Stadt veranlasse, sich nach dem Westen der Insel ausbreite und bereits die Mitte Javas ergriffen habe.
Obwohl die letzte Epidemie von Denguefever, wie sie in Englisch-Indien genannt wird, im Jahre 1872 bis 1873 auf den Inseln des indischen Archipels geherrscht hat, so glaube ich doch einen solchen Fall gesehen zu haben, und zwar in Batavia. Es war im Jahre 1880, als ich im grossen Militärspitale zu Weltevreden als »Doktor der Wacht« (= du jour) einen Patienten mit allen Symptomen des Scharlachs aufnahm.
Ich wusste zwar, dass auf Java Scarlatina nicht vorkomme, aber das Bild dieser Krankheit war mir so geläufig, dass ich dem Spitalchef von dem »Scharlachfalle« Rapport erstattete. Ich war nicht überrascht, als dieser erfahrene Oberstabsarzt rundweg erklärte, dass es auf Java überhaupt keinen Scharlach gäbe, dass aber dieser Fall wahrscheinlich ein isolirter Fall von Knöchelfieber sei, ebenso als von der Cholera hin und wieder einzelne Fälle bekannt werden, welche sich nicht zu einer Epidemie ausbreiten. Der weitere Verlauf dieses Falles sprach auch so wenig für Scarlatina, dass ich noch heute glaube, einen isolirten Fall von demám modél baru (Fieber mit einer neuen Form M.) gesehen zu haben.
In der »Encyclopädie van Nederlandsch Indië« wird als Verbreitungsbezirk des Knöchelfiebers ein Gürtel angegeben, welcher im Norden von 32° 41′ n. B. und im Süden von 23° 23′ seine Grenze findet und zwar längs beider Hemigloben. Das Knöchelfieber ist also eine Tropenkrankheit kat’ exochen.
In der Regel tritt die »Colorado« — um auch aus den spanischen Colonien ein Synonym für diese Krankheit zu bringen — als gewaltige Panepidemie auf. Tausende und Tausende werden von ihr gleichzeitig erfasst; nicht alt, nicht jung wird von ihr verschont; gut genährte Individuen fallen ihr ebenso zahlreich zum Opfer, als alte, cachektische Menschen; die weisse Rasse zählt wie die braune oder wie die Mischrasse ebensoviel Opfer. Dr. van der Burg sah in der Epidemie von 1872 in Batavia sehr oft ganze Familien mit allen Bedienten von der »Knokkelkoorts« ergriffen.