Die Gender, welche von den meisten Europäern als specifisch javanisches Musikinstrument angesehen und darum häufig mit „Gamelan“ bezeichnet wird, hat platte Klangstäbe, welche auf einem hölzernen Rahmen mit Stricken ruhen, und unter jedem Klangstab befindet sich als Resonanzkasten ein Bambusrohr. Eine sehr häufig auf diesem Instrument gespielte Melodie theilte mir der Herr Knaap mit:
Gamelan-Musik.
Eine Melodie, gespielt auf der „Gender“, welche aus Klangstäben besteht.
Otto Knaap.
Zum Schlusse will ich nur noch eine Melodie mittheilen, welche das harmonische (?) Spiel von drei Schlaginstrumenten der Gamelan uns demonstriren soll.
Gamelan-Musik.
Leitmotiv, gespielt auf 3 Schlaginstrumenten.
Otto Knaap.
Die Angklung ([Fig. 26].), welche in der Gamelan ebenfalls eine führende Rolle spielt, ist schon seit einigen Jahrhunderten auf der Insel Java bekannt; während meines Aufenthaltes in der Provinz Bantam, aber auch in Buitenzorg habe ich sie sehr oft spielen gehört; es überrascht mich immer, Töne von metallener Klangfarbe diesem eigenthümlichen Musikinstrument, welches nur aus Bambusrohren besteht, entströmen zu hören; selten wird nur eine Angklung gespielt; gewöhnlich werden 5–10 Angklungs auf einen Bambusstock aufgehängt und von 2–3 Männern geschüttelt.
Bei der Beurtheilung der indischen Musik darf man nicht an eine Sonate von Beethoven denken oder wähnen, einen weihevollen Choral in der Peterskirche zu Rom zu hören, oder in der grossen Oper in Mailand zu sitzen. Man muss die Gamelan in einem Kampong (= Dorf) Javas hören, wenn die Venus hoch im Zenith steht, wenn ein sanftes Zephyrwehen unsere glühenden Wangen streichelt, wenn die majestätische Ruhe der Tropennacht kaum für einige Secunden von dem lauten Rufe eines Affen oder dem Brüllen der wilden Büffel gestört wird, wenn das südliche Kreuz in seiner ganzen Herrlichkeit über unserm Kopfe schillert und glänzt. Wenn Ruhe und Frieden unsere Nerven beseelen, dann lauscht auch der Europäer mit Andacht den Tönen der Gamelan, bei welchen die malaiischen Liebeslieder (= Pantons) im Wechselgesange erschallen. Die zahlreichen Wiederholungen von demselben Thema, die Harmonien, welche sonst unser Ohr beleidigen würden, die starken dissonirenden Accorde, das Forte, welches zu dem Sturm eines Wagnerischen Finale anschwillt, vereinigen sich mit sanft schmeichelnden, lieblichen, sanften Melodien der Rebáb zu einem Liede, das uns in hohe und schöne Sphären geleitet. Vergessen werden des Tages Mühe und Sorgen, vergessen sind die versengenden Strahlen der Tropensonne, vergessen werden die Verderben drohenden Miasmen der nahen Sümpfe; die süssen, klagenden und schmeichelnden Weisen der Gamelan wiegen uns in das beseligende Gefühl des absoluten Nichts, des berauschenden Nirvana, der „Befreiung von den Schmerzen der Existenz“.