Was er geschaffen hat, war keine »Schmiere«. Es war ein Kunsttempel, dessen Pforten nicht nur den Europäern, sondern gleichzeitig auch den Chinesen, den Kindern des Landes und den »fremden Orientalen« (Arabern, Klingalesen u. s. w.) geöffnet werden sollte. Die Sprache des Dramas und der Operette, welche aufgeführt werden sollten, musste für Alle verständlich sein; er wählte daher die lingua franca des ostindischen Archipels, die malaiische Sprache; nebstdem mussten auch das ganze Ensemble, die Decoration, die Mimik, die Geste, die Gesticulation u. s. w. einen ausgesprochen malaiischen Charakter haben und tragen; Tardieu hielt sich also an die Wajong-Vorstellungen an den kaiserlichen Höfen zu Solo und Djocja.
Nur bis hierher und nicht weiter konnte ich dem Herrn Knaap in seiner Hymne für die Erfolge des Impresario Tardieu folgen. Wenn er jedoch behauptet, dass Tardieu mit der Gründung dieses Theaters ein Stück der socialen Frage gelöst habe, dann beneide ich ihn ob seines Sanguinismus. Tardieu war ein »Pauper«; die jungen Leute, welche er zu Schauspielern erzogen hat, waren ebenfalls »Paupers«; das ist richtig; aber wie gross war ihre Zahl, wie viele sind jetzt Vertreter dieser Kunst und wie viele werden in Zukunft in der Lage sein, auf diese Weise ihr »ehrliches Brot« zu verdienen? Dazu kommt noch ein Factor, welcher mit Recht in früheren Jahrzehnten der Gilde der Schauspieler eine beschränkte Stellung in der Gesellschaft einräumte; diese Kinderkrankheit der jungen Schauspielertruppe hat auch in Java schon manches traurige Opfer gefordert; diese jungen Leute haben in ihrem freien Verkehr der Leidenschaft keine Zügel angelegt; die Liebe und die Eifersucht haben bereits so manches ihrer Mitglieder vor den Richter und — in’s Spital gebracht. Wir wollen hoffen, dass die Kinderkrankheit dieses jungen Unternehmens bald überstanden sein wird, dass solide und tüchtige Elemente der indischen Paupers in die Hallen der Thalia einziehen werden, und dass auch in Indien der Schauspieler jene geachtete Stellung in der Gesellschaft sich erringen wird, welche in Europa in der Gegenwart schon den Mitgliedern dieser Künstlerschaar entgegengebracht wird.
Warum hat Tardieu in sein Orchester nicht eine complete Gamelan aufgenommen?
Die Gamelan, das javanische Orchester, besteht aus Streich-, Blas-, Schlag- und Trommel-Instrumenten, und nur in dem Complex aller dieser Instrumente ist der Begriff Gamelan enthalten. Eine complete Gamelan erfordert 24 Instrumente; diese kosten Geld, welches bei Tardieu die schwächste Seite war. Vielleicht hielt er für seine Opern (?) und für seine Operetten (?) nur ein kleines Gamelan hinreichend; vielleicht hat er entsprechend dem Charakter jeder einzelnen Scenen auch eine grössere und eine kleinere Gamelan bestimmt, gerade wie im alltäglichen Leben sich traditionell der Gebrauch entwickelt hat, für die einzelnen Festlichkeiten eine bestimmte Anzahl von Instrumenten für die Gamelan zu wählen; z. B. beim Empfang des Kaisers von Djocja am Neujahrstage muss der Resident eine complete Gamelan spielen lassen, während zur Begleitung einer kleinen Wajong-Vorstellung 6–8 Instrumente für genügend gehalten werden u. s. w.
Von den zahlreichen Instrumenten, aus welchen die Gamelan besteht, geben einige die Melodie an und die andern begleiten diese. Zu den ersteren gehört die Rebáb, welche nur zwei Saiten hat und die „mehr wie ein Cello“ gespielt wird; eine häufig auf diesem Instrumente gespielte Melodie ist folgende:
Gamelan-Musik.
Otto Knaap.
Nebstdem geben die Melodie an: die Suling (= Flöte), die Selómpret (= Trompete), die Kendang und die Ketipung, das sind kegelförmige Trommeln, welche mit den Händen geschlagen werden, während auf der Bonang (metallene Kessel) mit Trommelschlägern gespielt wird.
Auch die Saron, die Gambang, die Gender und die Angklung geben im Allgemeinen die Melodie an, während die Gong (metallene Becken, welche aufgehängt werden), die Kenong und Ketuk (welche auf zwei Bändern ruhen), die Rodjeh, Ketjer und Tjeluring (welche an dem Halse des Spielers hängen), die Bedug (eine grosse hängende Trommel), die Kemjang (Kessel), die Bendé und die Béri (hängende Becken) nur die Melodie begleiten.