[31] Sowohl die freien als auch die abhängigen Nationen ([Fig. 3]), welche den Fuss dieser grossen Gebirgskette bewohnen, mögen sie Heiden oder Mohamedaner sein, betrachten sich als Urbewohner des Landes oder wenigstens als Stammverwandte mit jenen Nomadenvölkern, welche in den höher gelegenen Theilen des Gebirges wohnen und noch kein staatliches Leben kennen. Unter den Namen Orang (Mensch) Kubu, O. Lubu, O. Utan und O. Rawa (= Sumpf) sollen im Urwalde des Barisangebirges Menschen vorkommen, welche nur in Familien beisammenleben, nur den jeweiligen Vater als Oberhaupt anerkennen, sich von den Früchten des Urwaldes nähren, keine feste Wohnung haben, den Gebrauch des Feuers kennen und nur mit einem Gürtel aus Baumbast bekleidet sind. Zwischen diesen Menschen, welche gewissermaassen die erste Stufe der menschlichen Civilisation einnehmen, und den Europäern, welche an der Ostküste zerstreut im Innern dieser Provinz leben, wohnen zahlreiche Nationen, welche uns gewissermaassen ein Gesammtbild der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens bieten, wie sie in Europa im Laufe der Jahrhunderte successive die jetzige Höhe erreicht hat. Ja noch mehr. Das Studium der Sitten und Gebräuche der primitiven Bewohner des Barisangebirges auf Sumatra wird uns per analogiam eine Einsicht in das Leben der Urbewohner Europas erleichtern, wenn nicht sogar ermöglichen.
[32] Die „Residentie“ Palembang ist 2526.7 ☐m gross und hat ungefähr 618000 Einwohner, worunter sich nach den Mittheilungen des Departements von Colonien im Jahre 1897 373 Europäer, 6451 Chinesen und 1876 Araber befanden.
[33] Vide „Java“, Seite 124 ff.
[34] Auch in den Tropen gebrauchen die Engländer nur Thermometer mit der Scala von Fahrenheit.
[35] Vide II. Band.
[36] Diese Provinz ist 770.4 ☐Meilen gross und hat ungefähr 110000 Einwohner mit 180 Europäern, 22218 Chinesen und 10 Arabern. (Vide Jahresbericht vom Ministerium der Colonien des Jahres 1897.)
[37] Der Stamm der Kwantaner hatte z. B. bis zum 10. Februar 1821 einen Sultan an der Spitze des Volkes.
[38] Oft trat die Vermuthung in mir auf, ob in diesem Falle nicht ein „Heufieber“ vorliege (= Sommerkatarrh = Bostock’scher Katarrh). Leider habe ich niemals das Secret der Nasenschleimhaut auf Pollen der zahlreichen Gräsersorten untersucht, welche ja in den Tropen das ganze Jahr hindurch und überall üppig gedeihen. Vielleicht ist diese Mittheilung hinreichend, jemand Andern zu dieser Arbeit anzuregen.
Niemals und nirgends litt ich so viel an Schnupfen als die letzten Jahre meines Aufenthaltes auf Java, und es ist mir ein wahres Vergnügen, der „Erkältung“, welche die moderne Hygiene gern in die Rumpelkammer veralteter Theorien werfen möchte, eine Ehrenretung schreiben zu können. Ohne dass ich jemals das Secret der Nase bacteriologisch untersucht hatte, welches beim Niesen in reichlicher Menge abgesondert wird, wage ich die Behauptung, dass diese petite misère de la vie der Typus einer „Erkältung“ ist, und dass auch nur die Annahme eines bacteriologischen Ursprunges kein Recht auf Bestehen hat. Mir ist ganz gut bekannt, dass — ich glaube, dass es Goldschmidt in Paris nachgewiesen hat — z. B. beim Niesen der Leprösen in einem Radius von ± 1 Meter auf dem Boden Leprabacillen gefunden wurden; es ist also möglich, dass man auch beim Niesen des communen Strauchens ebenfalls Microorganismen finden wird, welche selbst culturfähig sind und bei Impfungen dieselbe Krankheit erzeugen könnten; aber selbst dann nicht, wenn dies bereits gelungen wäre, würde ich die bacteriologische Entstehungsweise dieser Leiden anerkennen. Wenn ich mich zu dieser ketzerischen Behauptung hinreissen lasse, so geschieht es unter der Wucht der Beweiskraft der Thatsachen; immer, wenn ich transpirirte und unvermittelt mich der Zugluft aussetzte, begann ich zu niesen; die Secretion der Nasenschleimhaut wurde so gross, dass ich im Laufe einiger Stunden 6–10 Sacktücher benöthigte, und wenn ich, sei es Nachmittags oder Abends, mich zu Bett begab, hatte der Process sein Ende erreicht. Da nebstdem nur jene Menschen so häufig darunter leiden, welche schon Jahre lang in den Tropen geweilt haben, also unter dem Einfluss der tropischen Wärme ein gewisses labiles Gleichgewicht des nervösen Lebens erhalten haben, so bekommen wir ein Krankheitsbild, das weder in seiner unermittelten Entstehungsweise, noch in der Kürze seiner Dauer, noch in seinem sicheren Abklinken durch die Bettwärme in den Rahmen einer Infectionskrankheit gezwängt werden kann. Wie ich schon oben erwähnt habe, ich litt und leide auch an Gelenkrheumatismus; bei der strengsten Beobachtung ist es mir noch nicht gelungen — obwohl es eine landläufige Ansicht ist — irgend einen Factor des Sammelbegriffes Klima zu kennen, der unbedingt mir eine Attaque veranlasst; aber das Strauchen trat immer unter oben genannten Verhältnissen auf. Ich musste also bei dem Gelenkrheumatismus die Möglichkeit einer bacteriellen Entstehungsweise offen halten, während der Katarrh der Nasenschleimhaut, welcher in den Tropen viel häufiger als in Europa die Menschen attaquirt, das reine Gepräge einer „Erkältung“ trägt.
[39] Polonia war der Name des militärischen Etablissements in Medan, so genannt nach dem Geburtslande des ersten Besitzers (des polnischen Barons Michalsky) dieses Gebietes, welches ursprünglich eine Tabaksplantage umfasste.