Es starb ein Mann, der versprach gerecht zu sein, und er verkaufte das Recht an Jeden, der ihm Geld gab. Er düngte seinen Acker mit dem Schweisse der Arbeiter, die er abgerufen hat von dem Acker der Arbeit. Er verweigerte dem Arbeiter seinen Lohn und nährte sich mit der Speise der Armen. Er ist reich geworden durch die Armuth der Anderen. Er hatte Gold, Silber und Edelsteine in Menge, doch der Bauer, welcher in seiner Nachbarschaft wohnte, konnte den Hunger seines Kindes nicht stillen. Er lächelte wie der Glückliche, aber man hörte das Knirschen der Zähne von dem Kläger, der sein Recht suchte. In seinem Gesicht strahlte die Zufriedenheit, aber leer war die Brust der Mutter, welche säugte.
Dann werden die Bewohner der Dörfer rufen: Allah ist gross; wir fluchen Niemandem!
Häupter von Lebak! Einmal sterben wir Alle!
Was wird in den Dörfern gesprochen werden, wo wir herrschten? Und was von den Wanderern, welche unser Begräbniss sehen werden?
Was werden wir antworten, wenn nach unserem Tode die Stimme zu unserer Seele spricht und fragt: Warum ist Klagen und Weinen auf den Feldern, und warum verbergen sich die jungen Männer? Wer nahm die Ernte aus den Scheuern und wer aus den Ställen die Büffel, welche pflügen sollten? Was hast Du gethan mit dem Bruder, den ich Dir anvertraute? Warum ist der Arme traurig, und warum flucht er der Fruchtbarkeit seiner Frau?«
Hier machte Havelaar eine kleine Pause und schloss folgendermaassen:
»Ich wünschte sehr mit Euch in gutem Einverständniss zu leben, und darum bitte ich Euch, in mir Euern Freund zu sehen. Wer gefehlt hat, kann auf ein leichtes Urtheil meinerseits rechnen, denn, da auch ich so manchmal fehle, so werde ich nicht streng sein, wenigstens nicht in den gewöhnlichen Fehlern und Nachlässigkeiten im Dienste. Nur wo Nachlässigkeit zur zweiten Natur wird, dort werde ich entgegentreten. Ueber Fehler grober Art, wie Unterdrücken und Aussaugen der Menschen — spreche ich nicht. So was wird nicht vorkommen; nicht wahr, mein Herr Adhipatti?«
»O nein, mein Herr Assistent-Resident, so was wird in Lebak nicht vorkommen.«
»Nun, meine Herren Häupter von Bantam Kidul, lasst uns erfreut sein, dass unser Bezirk so vernachlässigt und so arm ist. Wir haben ein schönes Ziel. Wenn Allah uns am Leben erhält, werden wir sorgen, dass Wohlfahrt in’s Land komme. Der Boden ist fruchtbar und die Bevölkerung ist gehorsam. Wenn ein Jeder in dem Genuss der Frucht seiner Arbeit gelassen wird, besteht kein Zweifel, dass in kurzer Zeit die Bevölkerung zunehmen wird, sowohl an Seelenzahl, als an Besitz und Bildung; denn diese gehen meistens Hand in Hand. Ich bitte Euch nochmals, in mir einen Freund zu sehen, der Euch helfen wird, wo er kann, besonders wo Unrecht bekämpft werden muss. Mit diesem empfehle ich auch mich Eurer Mithülfe.
Die erhaltenen Rapporte über Landbau, Viehzucht, Polizei und Rechtspflege werde ich mit meinen Anmerkungen versehen ehestens zurückschicken.