Häupter von Lebak. Ich habe gesprochen. Ihr könnt zurückkehren, ein Jeder nach seiner Wohnung. Seid nochmals gegrüsst.«


Diese Rede, welche Douwes Dekker[36] im Januar 1856 in Rankas Betong in der Versammlung der Häuptlinge Lebaks hielt, war einerseits der Anfang seines physischen und seelischen Leidens, andererseits der Trompetenstoss, welcher Holland aus seiner Lethargie riss und den Javanen — Menschenrechte gab, gerade wie das Buch »Onkel Toms Hütte« die Kette der amerikanischen Sklaven gebrochen hat.

Aber auch im Jahre 1881 war das Elend gross in Bantam, und wieder war es die Schuld der höchsten Beamten, dass das Elend eine so grosse Ausbreitung genommen hat. Wie vor 25 Jahren der Resident von Bantam dem Streben des Assistent-Residenten Douwes Dekker, den Erpressungen und Räubereien der Häuptlinge von Lebak ein Ende zu machen, keine Stütze verleihen wollte und konnte, weil er selbst (der Resident) bis auf das Eingreifen dieses neuen Assistent-Residenten die Regierung über diese traurigen Zustände in Unwissenheit liess, so hat im Jahre 1881 der Resident X. geschwiegen, als schon hunderte und tausende von Menschen der Malaria zum Opfer gefallen, und tausende von Büffeln der Viehpest erlegen waren. Erst als Dr. A..... eine Inspectionsreise nach Lebak unternahm und einen ausführlichen Rapport darüber an die Regierung einreichte, erst dann erfuhr die Regierung das Elend, welches in Bantam herrschte, und die Gefahren, welche der Provinz Bantam drohten. Rasche und energische Hülfe that Noth. Zur Ehre der indischen Regierung muss ich jedoch mittheilen, dass »der grosse Moment ein grosses Geschlecht fand«. Ja, noch mehr; die Regierung that des Guten zu viel. Sie schickte nicht nur vier Aerzte dahin, sondern miethete eine Reihe von Krankenwärtern mit einem Gehalt von 20 fl. per Tag!!! Diese sollten die Anweisungen der Aerzte ausführen, sowohl was die Behandlung der Unglücklichen als auch die Verpflegung derselben betraf; für die vom Hungertyphus heimgesuchten Bewohner Bantams wurden auf mein Ersuchen Eier, Büchsen mit condensirter Milch, Dendeng (getrocknetes Fleisch) und lebendes Schlachtvieh mir gesendet, welches die Krankenwärter zugleich mit den hunderttausenden Chininpillen vertheilen sollten.


Mir wurde also, wie erwähnt, der Süden der Provinz angewiesen, mit Hülfe von vier Krankenwärtern von Kampong zu Kampong zu ziehen, die Zahl der Kranken aufzunehmen, die Art der Erkrankung zu diagnosticiren und bei jedem Patienten die Behandlungsweise dem Krankenwärter mitzutheilen, welche ohne Zwang, jedoch mit Ueberredung für das Einnehmen der Medicamente sorgen und dort, wo Mangel an Speise und Trank es forderte, die erhaltenen Lebensmittel vertheilen sollten.

Serang ist eine Provinzialhauptstadt von untergeordneter Bedeutung. Von den Gebäuden mögen höchstens die Häuser des Residenten und des Regenten durch ihre Grösse die Aufmerksamkeit der Touristen erregen, während Bantam-lama (das alte Bantam), die alte Sultanstadt, seit 1808 verlassen, grosse und schöne Denkmäler der alten Baukunst und der alten Grösse dieses Reiches aufzuweisen hat. Besonders die (renovirte) Sultansmoschee mit den Gräbern der Bantamschen Sultane und das Mausoleum des Pangeran Hassa-Udin verdienen die Aufmerksamkeit der Alterthumsforscher. Sie liegt an dem Meerbusen von Bantam und kann daher bequem zur See mit einem Dampfer der indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft erreicht werden. Uebrigens ist die alte Sultanstadt mit Serang durch einen guten Landweg verbunden und mit einem gewöhnlichen Reisewagen leicht in ein paar Stunden zu erreichen.

Leider musste ich so bald als möglich meiner Bestimmung folgen, so dass ich nicht in der Lage war, die Ruinen des mächtigen Reiches Bantam besichtigen zu können.

Ich konnte zwar bequem bis in die Nähe meines neuen Standplatzes (Tjileles) und selbst bis an die Südküste mit einem Dos-à-dos gelangen, aber der Besuch der umliegenden Dörfer konnte nur zu Pferde geschehen; ich ergriff daher mit Vergnügen das Anerbieten des Thierarztes zu Serang, eines seiner unbenutzten Pferde zu kaufen. Vor meiner Reise nach Indien hatte ich ja in dem Haag 21 Reitlectionen genommen, und hoffte daher, von meiner erworbenen Reitkunst in jeder Hinsicht Gebrauch machen zu können. Bei den Unterhandlungen um den Preis desselben glaubte ich ein spöttisches Lächeln um die Lippen meines Bedienten schweben zu sehen; ich interpellirte ihn darüber auch, aber mit der grössten Ruhe antwortete er mir: »Tidah, Tuwan lupa = nein, mein Herr täuscht sich.« Auch späterhin glaubte ich dieses spöttische Lächeln im Gesicht des Eingeborenen zu sehen und schrieb es einer Unbeholfenheit meinerseits zu. Auf unangenehme Weise sollte ich jedoch die Ursache dieses Lächelns erfahren. Hoch (?) zu Ross ritt ich eines Tages von Tjileles nach Gunung Kentjana, als eine Truppe unbewachter Pferde mir nicht nur folgte, sondern auch den Rücken meines Pferdes attaquirte; meine Peitsche schaffte mir auch eine Zeit lang Ruhe, bis ich endlich vom Pferde stieg und einem vorübergehenden Bauer darüber Vorwürfe machte, dass seine Pferde ohne Aufsicht herumliefen und andere Menschen belästigten.

»Ingi Dero!« antwortete dieser = »ja, Euer Wohlgeboren, aber Niemand reitet auf einem Weibchen!« Dies ist thatsächlich in Indien der Fall, auch in der ganzen Armee werden nur Hengste zum Reiten gebraucht, während die Weibchen nur vor den Wagen gespannt werden.