Als ich zum zweiten Male nach Ngawie kam, folgte ich meiner Gewohnheit, mich allen kleinlichen und engherzigen Streitigkeiten fern zu halten, und da diese Familie während meines ersten Aufenthaltes nicht nur meine Patienten waren, sondern geradezu liebenswürdige Gastfreundschaft an uns geübt hatten, war es nur selbstverständlich, dass ich und meine Frau den alten Verkehr mit ihnen wieder aufnahmen, obschon »das ganze Fort«, d. h. alle Officiere dem Boycott durch die Frau des Assistent-Residenten sich angeschlossen hatten. Diese für diese braven Menschen unangenehmen Verhältnisse änderten sich sofort, als wir sie in den Kreis unserer Bekannten einzogen und so unzweideutige Beweise unserer Sympathie gaben. Man muss so etwas gesehen oder mitgemacht haben, um zu verstehen, dass ich an dieser Stelle davon spreche. Für den gesellschaftlichen Verkehr bot dieser kleine Platz nichts, absolut nichts als den Officiersclub, in welchem auch die Bürger Mitglieder waren. In dem Club geschah auch nichts anderes als Kartenspielen und Tanzen bei den Klängen eines alten, verdorbenen Leierkastens. Wenn nun, was immer an einem Sonnabend geschah, ein »geselliger Abend« im Club stattfand, bemühte sich Niemand der Anwesenden mit dieser Familie; sie sassen allein. Aber die rächende Nemesis brachte ihr bald die grösste Satisfaction. Die Frau des Assistent-Residenten, welche den Bannfluch über diese braven Menschen ausgesprochen hatte, war eine energische Dame und ertrug keinen Widerspruch. Kurz nach unserer Ankunft mussten auch ich und meine Frau den freundschaftlichen Verkehr mit ihr und ihrem Manne leider einstellen. Eines Tages erhielt ich nämlich das Ansuchen, ihrer Tochter ärztliche Hülfe zu bringen. Ich kam dahin, und bei der Treppe empfing mich diese Dame mit der fertigen Diagnose und mit der nöthigen Behandlungsweise. Sie theilte mir nämlich mit, dass ihre Tochter Dysenterie hätte und darum eines Abgusses von Simaruba bedürfe. Ihre autokratische Sprechweise war mir schon bekannt, und darum fragte ich sie mit officiellem Lächeln auf den Lippen, ob sie sich nicht vielleicht in der Diagnose irre und ein unschuldiges Hämorrhoidal-Leiden vorläge, und ob keine andere Arznei vorgeschrieben werden dürfe, weil gerade bei der Dysenterie Simaruba erst in einem späteren Zeitpunkte gegeben werden dürfe. (Patientin, ein hübsches Mädchen von zehn Jahren, stand daneben und hatte gar keine Spur von Dysenterie.) Aber für einen Gedankenaustausch war sie nicht zugänglich. In gereiztem Tone antwortete sie: »Wenn Sie mir die Simaruba nicht geben wollen, lasse ich sie mir von Madiun kommen.« Die Sache wäre damit erledigt gewesen. Aber ihr Mann glaubte jetzt, mich seine Macht als Assistent-Resident fühlen zu lassen. Kurz vorher hatte ich ihn ersucht, frischen Vaccinestoff für die Bevölkerung kommen zu lassen. Zwei Tage nach meinem Besuche bei seiner Frau erhielt ich einen officiellen Brief mit der Nachricht, dass der Vaccinestoff angekommen sei und ich den nächsten Mittwoch in der »Kabupaten«, d. h. in der Veranda des Regenten einimpfen solle. Ich schrieb zurück, dass ich in meiner Stellung nach Staatsblad Nr. 68 vom Jahre 1827 keine Befehle von ihm annehmen könne noch dürfe, und dass ich nächsten Montag im Fort die Frauen und Kinder der Soldaten impfen werde. Er wiederum verbot mir, den Vaccinestoff für »meine Militär-Familien« zu gebrauchen, worauf ich telegraphisch den Residenten von Madiun um Erlaubniss ersuchte, den Vaccinestoff für die »Soldatenkinder« gebrauchen zu dürfen. Dieser Federkrieg zwischen uns Beiden entfremdete uns natürlich so sehr, dass jeder freundschaftliche Verkehr abgebrochen wurde.
Den Sonnabend derselben Woche war wieder gemüthlicher Abend im Club. Damals spielte sich eine jener Scenen ab, welche so charakteristisch und so typisch für das Leben in kleinen Orten sind, dass ich sie trotz ihrer Unbedeutendheit mittheilen zu sollen glaube. Das Clubgebäude bestand, wie wir oben sahen, aus einer grossen »Binnengalerie«, welche nach europäischer Anschauung Tanzsalon genannt werden kann, und der vorderen und hinteren Veranda. Das unentbehrliche Möbelstück für jeden Club ist in Indien die »Kletstafel«,[151] das ist ein grosser runder Tisch, mit einer Stütze für die Füsse. Wenn die Herren um 11½ Vormittags und um 7 Uhr Abends in den Club gehen und kein Billard spielen, vereinigen sie sich alle an der »Kletstafel« und besprechen etwaige Ereignisse des Tages oder die letzten europäischen Nachrichten, oder bearbeiten die grossen und kleinen Fehler der Abwesenden zu einer chronica scandalosa. Die hintere Veranda des Clubgebäudes zu Ngawie hatte zwei solche Tische. Nach und nach füllte sich die »achtergallery«, und zuletzt erschien der Assistent-Resident mit seiner Frau. Liebenswürdig grüssten sie nach allen Seiten und setzten sich an den Tisch — an welchem wir nicht sassen. Jetzt kam die erste Enttäuschung. In der Regel eilen sofort alle jungen Mitglieder nach ihnen, verbeugen sich und wechseln einen Handdruck. Die verheirateten Mitglieder theilen sich immer und überall diesbezüglich in drei wohl charakterisirte Gruppen. Die eine Gruppe hält an dem Grundsatze fest, dass es im Club keinen Rangunterschied gäbe, und wer zuletzt käme, habe die Pflicht, zu den Anwesenden zu gehen und sie zu begrüssen. Die zweite Gruppe sind wahre Opportunisten; für diese ist die Machtstellung des Würdenträgers auch im Club anerkannt. Man könne nicht wissen, wie man die »grossen Herren« nöthig hätte, und sie selbst sind und bleiben »die mindere« und eilen dahin, um sie zu begrüssen. Die dritte Gruppe ist wieder sehr gewissenhaft in der Beurtheilung des Rangunterschiedes; sie kennt allein einen Rangunterschied der Männer und nicht der Frauen, sie selbst gehen also sofort zum Assistent-Resident und seiner Frau, um sie zu begrüssen, und erwarten dann, dass auch der Assistent-Resident sofort zu ihrer Frau gehen werde, um »das Compliment abzustechen«. Diesen Abend blieb jedoch alles auf seinem Platz — bis auf den Platzcommandant, welcher ledig war und seinen neutralen Standpunkt nicht verleugnen wollte. Diese Kraftprobe der Frau O. war also nicht gelungen, und eine zweite sollte die Machtstellung dieser Dame rehabilitiren. Nach dem pousse-café vereinigen sich die einzelnen Gruppen zu dem eigentlichen Zwecke der Zusammenkunft. Einige der älteren Herren und Damen gehen an die Spieltische zu einer Partie Whist, L’hombre oder quadrilliren; die Jugend sucht und findet sich zum Flirten oder zum Tanzen — Andere gehen ins benachbarte Zimmer zum Billard und Einige setzen sich zur »Kletstafel« und geniessen bei einem Glase Grog, sei es ein Brandy-Soda oder sei es ein Whisky-Soda — die herrliche Nachtluft. Das Tanzen ist aber in Indien kein bevorzugter Genuss der Jugend; Grossväter und Grossmütter sieht man in Indien mit ebenso viel Eifer der Kreuzpolka und dem Walzer huldigen, als sie es vor 30 und 40 Jahren gethan haben. Frau O. gab also bald das Zeichen zum Anfang des Tanzes; aber o weh! der Leierkasten war verdorben und gab nur ohrenzerreissende, schnarrende Töne; sofort schickte auf Ersuchen der Frau O. der Platzcommandant einen Bedienten in das Fort und liess einen Korporal kommen, welcher durch seine Virtuosität auf der Harmonika bekannt war. Mit lautem Hurrah wurde seine Ankunft von der Frau des Assistenten begrüsst, ohne dass jemand anders in diesen Freudenruf einstimmte. Das war ein bedenkliches Symptom!? Aber noch Aergeres geschah. Die Harmonika hatte schon die Hälfte der Polonaise gespielt, und noch immer blieb alles auf seinen Sesseln. Der Major B. hatte pflichtgemäss die Frau O. ersucht, mit ihr die Polonaise eröffnen zu dürfen — sie Beide standen aber allein; die zweite Kraftprobe dieser Dame war verunglückt! Sie trachtete in liebenswürdiger herablassender Weise durch persönliche Intervention wenigstens die ledigen Herren zum Tanzen zu bewegen; jeder derselben aber dankte unter irgend einem Vorwande, und sie begnügte sich also mit einem Tanze mit dem Platzcommandanten. Die Familie X. war also gerächt.
Solche kindische und kleinliche Reibereien giebt es in allen kleinen Orten in Europa und in Asien und in Amerika, überall, wo Menschen auf einem engen Raum beisammen wohnen, so dass sich alle ihre Fehler bemerkbar und auch fühlbar machen; es ist ja z. B. bekannt, dass dieselben Reibereien auf den grossen Dampfern sich einstellen, auf welchen die Passagiere wochenlang beisammen leben, und dass dieses noch häufiger auf jenen Seglern geschah, welche zu ihrer Reise nach Batavia oft mehr als 100 Tage nöthig hatten. Für den Nichtbetheiligten sind sie eine reichliche Quelle von Zerstreuung; die davon Betroffenen verbittern sich aber dadurch das Leben und verfeinden sich oft für die ganze weitere Zukunft. Dieselbe Dame O. scheint in Madiun, wo ihr Mann früher stationirt gewesen war, sich auch Feinde gemacht zu haben. An dem Tage ihrer Ankunft in Ngawie bekam ich nämlich eine Correspondenzkarte, welche mich zwar entrüstete ob der Gemeinheit, welche der Grundton des kleinen Briefchens war, andererseits aber wirklich ein Unicum anonymer Lästersucht darstellte. In der offenen Correspondenzkarte wurde mir nämlich mitgetheilt, dass mir zwei Stück Käse dieser Tage als Geschenk geschickt würden, dass der Absender bedaure, keine bessern liefern zu können; der eine und zwar der grössere sei nicht übel von Gestalt, aber wurmstichig im Innern; der zweite sei in jeder Hinsicht hässlich, ekelhaft und ungeniessbar. Arglos und ohne den tiefen Sinn dieser Worte zu ahnen, wollte ich den nächsten Tag beim Assistent-Residenten O. diese zwei Käse holen lassen; vielleicht war ein Brief beigepackt, der mir eine Aufklärung von einer Bestellung geben sollte, deren ich mich nicht erinnerte. Zufällig kam der Präsident des Landesgerichts[152] denselben Abend zu mir, und ich frug ihn, ob er den Schreiber der Correspondenzkarte kenne, welcher mir zwei »Präsent-Käse« schickt, ohne dass ich sie bestellt hatte. Glücklicher Weise durchblickte der Rechtsgelehrte sofort die Mystification, und niemals hat der seither verstorbene Assistent-Resident O. etwas von dieser Correspondenzkarte erfahren, und der Schreiber dieses anonymen Schmutzbriefes hatte von seiner gemeinen Intrigue nicht den geringsten Erfolg.
Ende October 1891 verliess ich also Ngawie und zwar wiederum via Solo.
Zu wiederholten Malen habe ich Solo passirt und zwei mal für einige Stunden mich dort aufgehalten, so dass ich aus eigener Anschauung nur wenig über die Stadt selbst, aber mehr über die gleichnamige Provinz Surakarta berichten kann. Sie ist die reichste Provinz der ganzen Insel Java und hat zahlreiche Plantagen und andere Unternehmungen; nicht weniger als 23 Plantagen für Indigo, 13 für Indigo und Tabak, 4 für Indigo, Tabak und Kaffee, 7 für Tabak; 17 für Zucker, 4 für Zucker und Indigo, 20 für Indigo und Kaffee, 87 für Kaffee, 1 für Kaffee und Tabak, 1 für Kaffee und Chinin und 1 für Zucker und Kaffee, also 178 grosse Unternehmungen hat diese »Residentie«, obwohl sie nur 112,905 ☐Meilen gross ist, drei grosse Berge hat und zahlreiche kleine Gebirgsketten das Land durchziehen. Im Süden der Hauptstadt ist eine grosse Ebene, welche in einem grossen Bogen längs dem Solofluss bis weit in das Gebiet der Provinz Madiun sich hinzieht. Drei grosse Berge begrenzen die Provinz als drei mächtige hohe Grenzpfähle im Osten und Westen. Ueber die Spitze des Lawuberges, welcher 3254 Meter hoch ist, zieht ihre östliche Grenze zwischen Solo und Madiun, und die beiden Bergriesen Merapi (2866 Meter hoch) und der Merbabu (3116 Meter hoch) trennen sie von den Provinzen Kadu und Djocjokarta. Der grösste Fluss ist der Solofluss oder, wie er in dieser Provinz genannt wird, der Bengawan-Fluss, der auf dem Berge Merapi entspringt und auch der grösste Fluss der ganzen Insel (Java) ist; er ergiesst sich bei Surabaya in die Javasee und wird als billiger Transportweg von den Unternehmungen in den Provinzen Surakarta, Madiun, Rembang und Surabaya häufig benutzt. Auf dem Berge Lawu, auf dessen Gipfel oder vielmehr in der Nähe desselben ich als Arzt in einem modernen Romane den rettenden Engel gespielt habe, sind neben zahlreichen Ruinen aus der Zeit der Hindus noch zahlreiche Mofetten und andere warme Mineralbrunnen bekannt; an seiner Westseite findet man z. B. bei dem Dorfe Djurang Djerok zwei kleine Teiche, aus denen stets giftige Gase aufsteigen, und bei den Dörfern Pablingan und Gamping grosse schwefelhaltige Quellen. Die Hauptstadt Surakarta, häufiger Solo genannt, macht keinen freundlichen Eindruck. Sie hat zwar einige Sehenswürdigkeiten und trägt wie ihre Schwesterstadt Djocjokarta noch ausgesprochener das Gepräge einer rein javanischen Fürstenstadt. Sie leidet aber, wie ich schon früher erwähnt habe, so oft und so stark durch die Ueberströmungen der Solo- und Pepéflüsse, an deren Vereinigungspunkt sie liegt, dass es noch lange dauern wird, bis sie den Anforderungen einer reinen, schönen Stadt gerecht werden kann.
Fig. 20. Ein malayisches Mädchen mit Sirihdose und Spucknapf aus Messing.
Entsprechend der politischen Eintheilung des Landes hat die Hauptstadt eine vierfache Vertretung. Der Kaiser wohnt in seinem Palast, Kraton genannt; dieser ist gerade so wie der zu Djocja, eine kleine Stadt mit Mauern und Gräben umgeben und hat seinen »Dalem«, d. i. die Wohnung des Fürsten, den Sitinggil, die grosse Halle, wo sich der Fürst dem Volke zeigt, den Alang âlang = Schlossplatz und hunderte kleine Gebäude für das Gefolge. Das zweite stattliche Gebäude ist das Fort Vastenburg, dessen Kanonen den Kraton bedrohen. Das dritte ist der Palast des Gegenfürsten Mangku Negoro in europäischem Stile, welcher einen sehr schönen und grossen Empfangssalon mit elektrischer Beleuchtung hat. Das vierte ist das Gebäude des Residenten, welches bei Weitem nicht so schön eingerichtet ist als das seines Collegen in Djocja. Dann folgen zahlreiche Häuser für die Landherren der Provinz, eine protestantische Kirche, der Club, Theatergebäude, drei Hotels, wovon das eine gegenüber dem Fort liegt und »Jungfernheim« genannt wird, weil die meisten ledigen Lehrerinnen dort wohnen, der Thiergarten mit einigen exotischen Thieren u. s. w. Natürlich fehlen in Solo weder der Hofhalt in allen seinen Abstufungen, wie echte Prinzen mit ihrem Gefolge unter Aufsicht des Kronprinzen und unechte Prinzen unter Controle eines zweiten Sohnes des Sunans, noch die gut abgegrenzte Eintheilung des Adels, der Geistlichkeit und des »kleinen Mannes«. Auch wird in Solo so viel als möglich für feierliche Aufzüge, Galavorstellungen und Empfangsabende, und zwar mit demselben Ceremoniell als in Djocja gesorgt. Ebenso wenig fehlte der Wâjang orang ([Fig. 18]).
Von den übrigen Städten dieser Provinz sind noch zu nennen: Kartasura, welches früher die Hauptstadt des Sultanats war,[153] Klaten, in welchem bis vor einigen Jahren in dem Fort Engelenburg das Strafdetachement für europäische Taugenichtse bestand, Bojolali, wo ein altes, verlassenes Fort steht, die Schlucht bei Sukabumi, Patuk Pakis an der Küste mit seinen Schwalbennesterhöhlen u. s. w.
Auf dem Vulcane Lawu, welcher seit seinem letzten Ausbruch am 1. Mai 1752 seine jetzige Form und Gestalt bewahrt hat, bin ich zweimal gewesen, und jedesmal entzückte mich dieses Bild einer wildromantischen Natur, wo mächtige erratische Blöcke, Trachitfelsen, Lianen, Cäsarinen, Grotten, heisse Quellen, Mofetten, Abgründe und kahle, steile Wände in die Wolken gehüllt zu meinen Füssen lagen. Es war die Nordostseite, welche ich zu besteigen gezwungen wurde. In Djamus hatte Herr R.... eine Kaffeeplantage; um dahin von Ngawie zu gelangen, musste ich viermal die Reise-Vehikel verändern. Von Ngawie brachte mich meine Equipage nach Paron, wo ich die Eisenbahn bis Walikukung benutzte; hier erwartete mich ein Dos-à-dos, mit welchem ich bis Gidoro gelangte, ungefähr 1000′ hoch, wo Herr K.... eine reizende Plantage von Kaffee, und wenn ich nicht irre, auch von Muscatbäumen hatte. So ein gepflegter Kaffeegarten gewährt einen lieblichen, anmuthigen Anblick; der Baum wird zwar nicht höher als 6–7 Meter (der Liberia-Kaffeebaum, den ich in meinem Garten in Magelang hatte, erreicht nicht einmal die Höhe von 4 Metern), auch hat er keine stattliche, breite Krone, aber jede Baumreihe hat einen grossen Schattenspender; man wählt dazu am häufigsten den Dadapbaum (Erythrina indica), eine Papilionacee, welche grosse, scharlachrothe Blüthen hat, deren Blätter und Rinde von den Eingeborenen gegen Asthma und Fieber und deren Holz als Decoctum gegen Hämaturie gebraucht wird. Die Blüthe des Kaffeebaumes ist schneeweiss, hat ein herrliches Jasmin-Aroma und fällt schon nach 8 Tagen auf den Boden, der dadurch eine herrlich duftende, schneeweisse Decke bekommt. Nach einigen Monaten erscheinen die Früchte in grüner Farbe, welche sehr bald kirschroth werden und die Grösse einer halben Haselnuss haben. Zu dieser Zeit hat der Kaffeebaum einen gefährlichen Feind in dem Paradoxurus Musanga. Die reifen Früchte sind seine Lieblingsspeise, den Kern jedoch verdaut er nicht; er begnügt sich mit dem Fleische der Frucht, und die überflüssigen Kaffeekörner — sind die theuerste und beste Kaffeesorte, NB. nachdem sie den Darm des Musangs verlassen haben. Mir wurde ein solches Excrement eines Musangs gezeigt; es bestand aus drei Kaffeekörnern, welche mit einer schwarzen Masse untereinander verklebt waren. Diese Kaffeekörner stehen in so hohem Ansehen, dass sie als besondere Gunstbezeigung den Europäern zum Geschenke angeboten werden. Wenn die Früchte kirschroth geworden sind, werden sie gepflückt und auf Platten aus Rohr dem Fermentiren überlassen. Hierauf werden sie getrocknet und gestampft. Ihre Heimath ist Arabien, von wo sie schon im Jahre 1698 importirt wurden; doch erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (seit 1723) nahm die Kaffeecultur einen bedeutenden Aufschwung, seitdem die Regierung mit sanftem Druck die Eingeborenen zum Bau desselben zwang.[154] Das Erträgniss des Kaffeebaumes ist sehr variabel. Ich erhielt von meinem Baume stets mehr als 1 Kilo Bohnen, und wie ich es damals auf dem Lawu mittheilen hörte, ist nur alle drei bis vier Jahre eine reiche Ernte zu erwarten.