Der Fundort der beiden erwähnten Rechentafeln war ein Grab gewesen, und es läßt sich nach sonstigen Vorgängen und Beispielen mit zweifellosester Gewißheit annehmen, daß sie als Erinnerungen an einen teuren Toten, der Mumie desselben beigegeben waren, um vielleicht an seine letzte Thätigkeit im Rechenfache auf Erden zu erinnern. Es war offenbar ein Schüler, der das Zeitliche gesegnet hatte, ohne seine Studien auf dem bezeichneten Gebiete vollendet haben zu können. Die kleinen Fehler und Irrtümer nämlich, welche in den einzelnen Kolonnen mit unterlaufen, die Wiederholungen der Abschrift derselben Rechnung und sonstige Indizien weisen darauf hin, daß der ehemals Lebende sich mitten in der Schulung befand, als er plötzlich seinem Leben Valet sagen mußte.

Ein näheres Studium der Kolonnen, die ziemlich regellos und wild neben- und untereinander fortlaufen und die beiden Seiten jeder Tafel bedecken, läßt mit aller Bestimmtheit feststellen, daß es sich in sämtlichen Rechnungen um die Proportion gewisser Zahlenreihen zu einander handelte. Als Anfangsproportionen erscheinen die folgenden fünf: 1 : 1⁄3, 1 : 7, 1 : 10, 1 : 11, 1 : 13. Obgleich die Zahlen ohne besondere Rechnungszeichen neben- und untereinander erscheinen, so lehrt schon der erste Blick, daß Zahlenverhältnisse vorliegen, die in fortlaufender Stufenfolge von den einfachen Zahlen bis zu den zusammengesetzten Brüchen hin entwickelt werden.

Ich führe als erstes, weil durchsichtigstes und einfachstes Beispiel die Verhältnisse von 1 : 10 an, die ich in nachstehender Übertragung nach dem Ziffernbilde der Tafeln wiedergebe.

Vervollständigt ist dies Bild durch mich selbst nur durch das moderne Zeichen der Proportion, um auch für das Auge die einzelnen Verhältnisse deutlicher hervortreten zu lassen:

1

:

10

10